Buchrezension „Mein Weg im Islam“ von Andrea Mohamed Hamroune


B.R.R.

mein Weg zum Islam

Ich habe dieses interessante und unterhaltsame Buch bereits einmal als E-Book gelesen. Wer mich kennt, weiß, dass ich gedruckte Bücher lieber habe, in denen ich blättern und vor allem die Seiten fühlen kann.

Das Cover zeigt eine stolze Muslima. Es schaut in Wirklichkeit noch viel besser aus als digital. Die Farben sind eher dunkel gehalten, sehr gedeckt. Man sieht auf den ersten Blick, worum es geht: um eine Muslima, die ihren Weg zum Islam findet und die Leser einlädt, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Das weiße verspielte Muster im Vordergrund gibt mir zwar Rätsel auf, dennoch finde ich diese Kombination sehr ansprechend.

Bevor die Autorin auf ihren Weg zum Islam zu sprechen kommt, verliert sie einige Worte über den Islam in Deutschland allgemein und beweist mit Witz und Charme, dass man nicht immer alles so sehen sollte, wie die Medien einem weismachen wollen.

Hierzu ein Beispiel:

„Ganz in der Nähe von uns … ist ein Flüchtlingsheim. In diesem Flüchtlingsheim sollen 1000 oder mehr Flüchtlinge untergebracht sein. Wo sind die eigentlich? Bin ich blind? Ich seh immer nur Menschen, aber ein Flüchtling ist mir noch nie begegnet.“

Dann folgt eine Auflistung und Erklärung bestimmter Unwörter wie Salafist, Islamist (wobei mir die Umwandlung zu „Islam-mist“ sehr gut gefällt), radikaler Muslim usw. aus Sicht von Muslimen. Man kann diese Dinge nie genug erklären, denn mich hatte auch einmal bei der Arbeit eine Krankenschwester, sie war Stationsleitung, gefragt, ob ich Islamist sei – und meinte doch wirklich nur das Wort Muslima.

Die eigentliche Geschichte beginnt am Geburtstag der Autorin, als sie ihren Mann kennenlernt. Das ist der erste Schritt zum Islam. Wenn nicht anfangs schon einige Bemerkungen über ihren Mann gekommen wären, hätte man von einem Bilderbuch-Mann ausgehen können. Denn sie beschreibt ganz schnell seine Ansicht über den Islam und dass bei ihm die Barmherzigkeit fehlt und wie unerträglich das für sie und die Kinder ist. Das nimmt mich mit, berührt mich sehr.  Mit Strafen und Schimpfen ist man nicht fähig, zu lernen. Und der Islam ist Liebe, Licht, Wärme. Dass sie darunter litt, kann ich sehr sehr gut nachvollziehen.

Die Autorin zeigt auf, wie sehr ihr anfangs Bruder Baschschar geholfen hatte, der Hörbücher aufgenommen hatte. Indem er immer für sie da war. Der erste feste Fels in ihrem vor-muslimischen Leben. „Er ist ein sehr aufrichtiger und geduldiger Mensch. Er liebt die Wahrheit und vertritt sie in Liebe und Demut zur Religion. Er ist auch sehr gut gebildet und kann sehr gut referieren. Ich habe ihm immer gern zugehört.“ Was für wunderschöne nette Worte! Es ist sehr ehrenvoll, über jemanden so zu denken.

Andreas Reise, ihre Suche – oder vielmehr den Begriff, den ich gern benutze – ihr roter Faden, ist das sich Aneignen von Wissen und das Weitergeben hiervon. Das zog sich nämlich immer durch ihr Leben, als ihre von Allah gegebene Gabe. Sagen wir mal, als die sichtbarste, denn jeder Mensch hat drei bis fünf herausragende Qualitäten.

Auch wenn sie bereits so viel wusste und sich wirklich mit sehr vielen Büchern beschäftigt hat, war sie noch nicht bereit, den Islam anzunehmen, ganz und gar. Wo sie im Herzen doch längst Muslima war. Es ist sehr interessant, wie sie diese Zeit beschreibt. Sehr gut nachvollziehbar. Als dann der Moment endlich da war, der nur nur ganz kurz beschrieben wurde, kamen mir auch ein paar Tränen. Diese wenigen Zeilen hatten total mein Herz berührt.

Auf den nächsten Seiten berichtet Andrea über die Schwierigkeiten, den Islam so richtig wie möglich zu leben. Was meine Eltern waren, war ihr Mann für sie. Das sind eben die Prüfungen Allahs, damit man beweisen kann, wie ernst man es mit dem Islam meint – oder ob es nur eine kurze Phase ist.

Spannend fand ich Andreas Arbeit an einem Arbeitsbuch über die Sira des Propheten Muhammad. Wie es begann, wie sie es weiterführte, was am Ende passierte. Und was sich daraus entwickelte. Ich bin sehr stolz auf sie, denn auch wenn es schwierig wurde, hat sie nie das Handtuch geworfen, sondern immer weitergemacht.

Denn das waren die ersten Steine auf dem Weg zum Assira-Verlag. Dass es da nicht immer einfach und klar zuging, beschreibt die Autorin im Detail. Wie sehr man doch für seinen Traum, seine Bestimmung kämpfen muss. Enttäuschungen können an jeder Ecke warten. Eine spannende Lektüre.

Die letzten Sätze im Buch lassen auf einen nächsten Teil hoffen. Wie ist es ihr in der letzten Zeit so ergangen? Denn nur weil ich auf der letzten Seite ankam, ist ja das Leben noch nicht zu Ende. Erst recht nicht der Assira-Verlag. Und allein bei 11 herausgebrachten Büchern wird es in sha Allah auch nicht bleiben.

Wir gestalten unsere Zukunft selbst. Es ist schön, dass es solch engagierte Schwestern wie sie gibt, die Träume verwirklichen kann.

Advertisements

2 Antworten zu “Buchrezension „Mein Weg im Islam“ von Andrea Mohamed Hamroune

  1. Vielen Dank für die tolle Rezension. Es ist sehr cool zu lesen, wie es sich anfühlt, meine Geschichte zu lesen. Das ist schön und rührt mich zu Tränen. Diese Geschichte war nicht einfach zu leben, aber ich denke, wenn es an der Zeit ist, werde ich eine Fortsetzung schreiben.
    Weil ich finde, ich bin mitten drin und noch lange noch nicht am Ende meiner Reise, besonders nicht, wenn es um die Sira geht und um Assira- Verlag. ❤ D A N K E

    • Habe ich sehr sehr gern gemacht. Es war mir eine Freude und eine Ehre, deine Reise, dein Leben mit dir erleben und darüber berichten zu dürfen. ❤

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s