Buchrezension: „Wenn alles egal ist“


B.R.R.

Vor einigen Tagen fand ich ein wundervolles Buch in meinem Briefkasten. Die Autorin hatte es mir persönlich zugeschickt und heute möchte ich meine Eindrücke mit euch teilen.

Wenn alles egal ist

Bevor ich mich dem Inhalt widme, betrachte ich das Cover und lass alles auf mich wirken: Der Titel sagt rein gar nichts darüber aus, was einen erwarten könnte. Wenn Worte schmecken können, dann schmeckt der Titel nach Aufgeben und Bitterkeit, aber auch Provokation. Dafür kenne ich nämlich die Autorin zu gut, als dass es ihr ums Aufgeben gehen würde. Eher nach Provokation. Das zeigt auch, dass ihr Familienname absichtlich auf dem Kopf und in roter Farbe hervorsticht. Auch die ISBN-Nummer auf der Rückseite steht auf dem Kopf.

Das Titelbild zeigt einen Schmetterling mit orange-gelben Flügeln, wobei ein Flügel in Flammen steht. Das ist ein sehr interessantes Bild. Mal sehen, ob ich beim Lesen herausbekomme, was sie sich dabei gedacht hat.

Der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt mir eine Menge Kapitel an, die meistens „Wenn …. egal ist“ lauten und sich dahinter viele Begriffe aus dem alltäglichen Leben aufgliedern, z.B. das Schreiben, Kinder, Gesundheit, Arbeit, Tiere, der Glaube, Krieg, Kosmetik, Mode usw. Einfach alles. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich alles mit dem Wort egal verbinden und doch zu einem roten Faden einfügen lässt. Auf bestimmte Kapitel, die mich am meisten ansprechen und fühlen lassen, meinen Geist anregen, werde ich ein wenig näher eingehen.

Im Buch gibt es eine Menge Fragen. Kann einem die Welt egal sein? Was kann einem egal sein? Was hat Bud Spencer mit Handys zu tun? Oder ein auf dem Kopf stehendes Kapitel mit Neuanfang? Was ich zugegeben ziemlich witzig und ideenreich finde.

Die Autorin führt in schonungsloser Offenheit mit ihren Ansichten durch die Kapitel und zeigt, warum etwas egal ist oder warum nicht. Das Buch ist aufwühlend, es trifft ganz viele verschiedene Emotionen. Mal bin ich erheitert und muss über ihre Worte lachen, mal verspüre ich Gänsehaut und einen dicken Kloß im Hals. Grenzenlose Ernsthaftigkeit, die ins Herz dringt, insbesondere im bewegenden Kapitel „Wenn es egal ist, dass jemand stirbt“. Oder das Kapitel „Wenn Kinder egal sind“, lässt mich darin bestärken, mich weiterhin intensiv oder gar intensiver um mein Kind zu kümmern. „Unsere Kinder werden die zukünftigen Eltern sein und wir, die jetzt Eltern sind, werden eines Tages alt und grau sein.“ Das dürfen wir nicht vergessen. Ihre Worte animieren, unterhalten, treffen in die Seele. Die Worte über das letzte Kapitel „Wenn mir Krieg egal ist“, deprimieren mich etwas und hinterlassen einen bitten Beigeschmack. Wäre am Ende etwas Heiteres besser gewesen?

Dieses Buch ist eine wunderbare Mischung aus Bildung, Unterhaltung und Persönlichem. Gekonnt lässt sich dies in den Kapiteln, in denen Tiere und Essen „egal“ sind, feststellen. Zum Thema Essen ein Beispiel:  „Mich wundert nur, dass in Ländern, in denen die Familien Tierwirtschaft betreiben, es diese Anomalie wie Lactoseintolleranz nicht gibt. In Algerien kommt die Milch aus dem Euter und genauso auf den Frühstückstisch. Wenn man den Menschen in Algerien etwas von Lactose erzählen würde und das geht nicht, dann würden die mit einem Fieberthermometer kommen. … “ Ein herrliches Statement! So geradeheraus und ehrlich und dass eben bei uns ganz viel verkehrt läuft. Und das nicht nur beim Essen.

Traurigkeit empfand ich beim Lesen des Kapitels „Wenn Blumen egal sind“. In diesem Fall verstehe ich, dass Blumen egal sind. Das wiederum bringt mich zu dem Gedanken, dass man niemanden vorverurteilen soll, wenn einem lediglich ein Fakt bekannt ist. Aber eben nicht die Geschichte dahinter. Und das ist doch das Interessante, das macht den Menschen zum Menschen.

Da dieses Buch sehr persönlich ist, ist es auch eine Abrechnung. Mit wem? Das verrate ich nicht. Darauf könnt ihr gespannt sein. Und es zeigt, dass es sich lohnt, achtsam zu sein. Sich selbst gegenüber und auch anderen.

Diese Zeilen sind ein wunderbares Plädoyer dafür, dass man ruhig öfter aus der Reihe tanzen sollte und vor allem, dass man Fehler machen darf und wirklich nicht immer alles richtig machen muss. Dazu gehört viel Mut. Und Selbstbewusstsein. Und da schließt sich der Kreis, denn wer Selbstbewusstsein hat, dem ist so einiges egal, vor allem, was andere über ihn denken. Und das, was nicht egal ist, dafür steht man ja ein. Indem man „Mauern durchbricht und Mauern überwindet“.

Auf die Rechtschreibfehler habe ich weniger geachtet, denn die Autorin hat selbst immer wieder auf ihre Fehler hingewiesen. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie könnte die Fehler auch mit Absicht eingebaut haben, denn man muss nicht immer unbedingt alles richtig machen 😉

Fazit: Ich finde, das Buch ist sehr gelungen, indem es unterhält und bildet und persönliche Eindrücke aus den verschiedensten Bereichen zeigt. Es regt den Geist zum Nachdenken an, man fängt an, seine Erlebnisse mit den hier geschilderten zu vergleichen und vor allem Anteilnahme zu fühlen.

Es lesen zu dürfen, war mir eine Ehre und hat mir viele vergnügliche Stunden bereitet.

P.S.: Heute kam mir die Idee, mit der Autorin ein Interview zu führen. Ihr dürft weiterhin gespannt sein, welcher Mensch sich hinter ihr verbirgt.

 

 

 

 

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4 Antworten zu “Buchrezension: „Wenn alles egal ist“

  1. Vielen lieben Dank für Deine tolle Rezension.
    Ich finde es sehr spannend zu lesen, wie Du mein Buch beurteilst.
    Du kannst selbst sehr gut schreiben, auch bist Du sehr offen, wortgewandt und ehrlich.
    Ich würde mich sehr über weitere Rezensionen von Dir freuen und komme, nach Fertigstellung meines jetzigen Projektes, wieder auf Dich zurück.
    Bis bald inschallah

    Andrea Mohamed Hamroune

    • Vielen lieben Dank für deinen tollen Kommentar und deine lieben Worte. Sehr gern würde ich weitere Rezensionen für dich machen, es ist mir wirklich eine Ehre und ein großes Vergnügen. Ich glaube, wir können echt ein gutes Team werden bzw. sein und durch den heutigen Tag habe ich gemerkt, wie sehr ich das Schreiben vermisst habe und wie wichtig es ist, an meinem Buchprojekt weiterarbeiten. Nur brauche ich manchmal jemanden, der mir einen Tritt in den Hintern verpasst 😉 Auf jeden Fall werden wir so oder so noch mehr voneinander hören 🙂
      Liebe Grüße, viele Salams und bis bald in sha Allah
      Jeanette Fatima

  2. Maa shaa Allah, habe richtig Lust auf das Buch bekommen! Gibt es das auch als E-Book? Und hast du schon ein Interview mit Andrea geführt?

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