Eindeutige Botschaft

B.R.R. 

An sich bedarf es bei diesen Worten keinerlei Erklärungen. 

Was mir etwas Sorgen bereitet, ist, dass es doch so viele Menschen gibt, die das nicht akzeptieren und hören wollen. Die keinen Frieden wollen. Die den Islam und die Muslime nicht nur hassen, sondern durch einige wenige, wenn auch schlimme Anschläge ihren Hass als gerechtfertigt sehen und somit Lügen, Verleumdung und mehr Hass verbreiten. 

Das hinterlässt in mir eine Art Hilflosigkeit. Es fühlt sich gar nicht gut an. Diese Menschen sind nämlich nicht mit Argumenten und positiven Meldungen zu überzeugen. 

Das ist so frustrierend wie es sich anhört. Dann jedoch denke ich an die Menschen in meinem Umfeld und erfreue mich daran, dass sich darin aufgeschlossene, diskussionsfreudige Menschen befinden, die nachfragen, mir vertrauen, mich kennen. Die zählen, die sind wichtig. 

Ein Wintertraum? Wenn man frieren muss, wohl kaum!

B.R.R.

 

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Spätestens seit letzter Woche ist der Winter auch hier bei uns angekommen und wir können wieder fühlen, wie es ist, zu frieren. Wenn wir auf die öffentlichen Verkehrsmittel warten, überhaupt, wenn wir das Haus verlassen. Es ist unablässig, in mehreren Schichten gekleidet zu sein. Und Handschuhe und Schal bitte nicht vergessen.

Besonders wenn ich nach der Spätschicht abends in meine kleine gemütliche Wohnung zurückkomme, fühle ich diese besondere Gnade, die Allah mir zukommen ließ.

Vor kurzem passierte mir etwas, was mich nachdenklich werden ließ. Ich hatte etwas bei einem Amt zu erledigen und musste mit einem Bus fahren. Natürlich musste ich auch einige Minuten auf den Bus warten. Neben mir war ein Paar, in deren Gegenwart ich mich nicht sehr wohl gefühlt habe. Sie warteten auf eben diesen Bus.

Als der Bus kam, stieg ich erleichtert ein. Ich konnte mich für einen Moment aufwärmen. Das Paar setzte sich zu mir. Die Frau fing mit mir ein Gespräch an. Ich war sehr zurückhaltend. Sie sagte, sie schliefen unter der Brücke und ob ich einen Euro hätte. Ich hatte nicht den Eindruck, als löge sie, denn ihrer beider Kleidung war tatsächlich eher zweckdienlich als hübsch – und wirklich warm schien sie auch nicht zu sein.

Nach zwei Stationen stiegen sie aus. Nachdem ich etwas gegeben hatte, rief er mir noch „Frohe Feiertage nachträglich“ hinterher. Es war mir etwas peinlich. Aber im selben Moment war ich von einer Geborgenheit umhüllt, einer Wolke aus Dankbarkeit für mein Leben, für meine Gaben, eine unvorstellbare Zufriedenheit. Vergessen war der Ärger, den ich verspürte, weil ich wegen des Amtes den Umweg in Kauf nehmen musste. Auch die Kälte war leichter zu ertragen, gelobt sei Allah, der mich in einer Wohnung leben ließ, in der es stets warm und gemütlich war. Wie oft fühlten wir, dass unsere Wohnung zu klein und beengt war? Verglichen mit einem Leben unter der Brücke ist sie doch ein regelrechter Palast.

Es ist schwer vorstellbar, wie so ein Leben auf der Straße funktionieren soll. Ohne Dach über den Kopf, regelmäßiges Essen, warmes Wasser und Heizung. Wie reich und glücklich können wir uns fühlen.

Das führte mich zu den Gedanken an alle aktiven Hilfsorganisationen, die Winterhilfen-Kampagnen in ihrem Programm haben. Ein häufiger Tod ist das Erfrieren. Wenn man stundenlang draußen in der Kälte ist, dauert es lange, bis sich der Körper erwärmt. Oder er erwärmt sich gar nicht mehr, wenn man innerhalb des Hauses in Kälte leben muss, ohne Heizung und Brennholz.

Die Beträge, einer Familie einen Monat lang Brennholz und Decken und Kleidung zur Verfügung zu stellen, ist nicht sehr hoch. Ich weiß, jeder hat seine Ausgaben und viele von uns kämpfen um jeden Euro, insbesondere wenn man allein lebt oder nur ein Gehalt für die ganze Familie vorhanden ist. Dennoch, wer etwas geben kann, möge es tun. Möge Allah es allen mit anderem vergelten.

Mögliche Hilfsorganisationen sind:

muslime helfen e.V. 

Nächstenliebe ohne Grenzen (auf Facebook zu finden hier: https://www.facebook.com/nachstenliebe.ohnegrenzen?fref=ts )

und noch viele andere mehr. Möge Allah alle Helfer und Spender mit dem Besten belohnen und den armen Menschen  in Not, Bedrängnis, Armut, bei Naturkatastrophen und natürlich den Menschen im Krieg beistehen und alle Schmerzen und Traurigkeit und Übel von ihnen nehmen.

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Bildquelle: muslimehelfen e.V.

 

 

Liebe siegt immer über Hass

B.R.R. 

Ich war wirklich lange nicht mehr hier. Mein begonnenes Fernstudium über Psychologie hat mich stofflich in den letzten Wochen so gefangen gehalten, dass ich kaum aufatmen konnte und schon gar nicht zum Lesen normaler Romane kam. Ich denke, das ist am Anfang normal. 

Es wird jedoch Zeit, mich wieder anderen Dingen zu widmen. Derzeit plätschert das familiäre Leben und auch die Arbeit so dahin. Zwar werden mal kräftigere, mal zartere Wellen an Land gespült, doch insgesamt ist alles eher ruhig. Alhamdulillah dafür und für alles andere. Wofür ich gar nicht in der Lage bin, alles aufzuzählen. 

In letzter Zeit habe ich mir einige Gedanken über den Hass gemacht. Es gibt sehr viele Blogs. Jeder hat etwas Wichtiges mitzuteilen. In der Welt passieren täglich eine ganze Menge schrecklicher Dinge. Die Welt ist nicht das Paradies. Und es ist wichtig, dass berichtet wird. Wir müssen Bescheid wissen, wir müssen aus den Ereignissen lernen. Ich weiß, die Realität sieht anders aus. 

Ich lebe schon viele Jahre sichtbar als Muslima. Alhamdulillah, die letzten schlechten Erfahrungen sind lange her. Aber so oft hören und lesen wir, dass es anderen Schwestern schlecht ergeht. Woher kommt dieser Hass auf uns? Das hier ist unser Land, unser Zuhause. Hier arbeiten wir, leben. Unsere Kinder gehen hier zur Schule. Wir engagieren uns im Elternbeirat der Schule, dem Hort oder in Vereinen. 

Die folgenden Worte richten sich an die Hasser, Hetzer, Richter und Henker: Lasst uns doch einfach leben. So wie wir wollen. Wir stören doch niemanden. Wir wollen niemanden missionieren, sondern in erster Linie aufklären, Bedenken und Trennendes aus der Welt schaffen. 

Ihr, die uns hasst, hasst in Wahrheit euch selbst. Der Neid nagt an euch, ihr müsst rastlos kämpfen, hetzen, lügen. Denn euren wahren Frieden habt ihr nicht gefunden. Und das werdet ihr auf diesem Wege auch nie. Zu tief steckt ihr in eurem braunen Schlamm. 

Es kommt hier auf Erden auf das Miteinander an. Darauf, Gemeinsames zu finden, zu leben. Mensch zu sein und für andere Menschen da zu sein. Im Quran heißt es, wir sollen gütig zu den Menschen sein. Den Menschen, nicht nur den Muslimen. 

Ich bin gegen jedes Unrecht, was in der Welt passiert. Für mich gibt es nicht nur eine bestimmte Menschengruppe, die für Schlechtigkeiten gerade zu stehen hat. Gute und schlechte Menschen gibt es überall. Liebe und Hass leider auch. Jedoch ist Hass ein so großes Wort. Wie ist das Herz desjenigen beschaffen, der hasst und hetzt? Das können wir uns nicht mehr leisten. 

Wacht auf und sucht und begegnet der Liebe. Zuallererst der Liebe euch gegenüber. Wer sich liebt, kann andere lieben und Gutes verbreiten. Da gibt es keinen Platz für den Hass. 


Wir haben Verantwortung für uns selbst und für unsere Mitmenschen. Hass gehört dort nicht hin. 

Natürlich heißt das nicht, dass wir stillhalten und uns nicht wehren sollen. Doch es bedeutet, sich nicht sinnlos zu bekämpfen, zu beschimpfen. Der Mensch, der uns gerade gegenübersteht, ist in diesem Moment der wichtigste. 

Und das wünsche ich mir für alle Erdenmenschen: Macht das Beste aus euch. Seid gnädig zu euch und anderen und horcht in euer Herz. Das sagt euch genau, was ihr braucht. Das Herz weiß alles vor dem Verstand. Genießt jeden Augenblick, macht ihn nicht durch Hass kaputt. Habt Mut, zu euch und euren Fehlern zu stehen. Das macht euch viel authentischer und liebenswerter. 

Denn die Liebe geht stets als Siegerin hervor. Auch wenn es nicht immer so aussieht, am Ende wird jedoch alles gut. 

„Folge deinem Herzen“ … um zu leben, zu lachen und zu lieben

B.R.R.

Diese Worte habe ich gerade im Fernsehen gehört und sie haben etwas in mir berührt, bewegt. Scheinbar erwähnt, bedeuten sie gerade eine ganze Menge.

Eine sehr liebe Schwester ist ihrem Herzen gefolgt und hat alles auf eine Karte gesetzt. Sie folgt ihrem Traum, ihrem Herzen in ein besseres Leben. Ich habe überlegt, ob dieses neue Leben auch zu mir passt. Nein, noch nicht, ich kann noch nicht gehen.

Verschiedene Leute und ich selbst auch sehen und sahen mich immer als eine Brückenbauerin zwischen Menschen und Kulturen. Nicht im großen Rahmen, ich bin nicht berühmt, aber doch im Kleinen. Das war schon immer und so sehe ich mich auch in Zukunft. Seit jeher war ich Elternklassensprecherin oder im Elternbeirat im Hort oder in der Schule. Das ist einfach mein Weg.

Aber …

Jetzt kommt das ganz große Aber.

Das alles ist gut und ok. ABER … ich habe wirklich nur noch hauptsächlich Pflicht getan, Arbeit in der Klinik, Arbeit zu Hause, Arbeit in der Familie. Diese Unzufriedenheit, die mich beschlich, kam daher, dass ich meine freie Zeit mit Lesen ausgefüllt habe, was sicher gut ist. Aber gelebt habe ich nicht wirklich in mir, durch mich, sondern in den Büchern. Das mag etwas irritierend klingen. Ich verschlag ein Buch nach dem anderen ohne groß darüber nachzudenken. Ich hetzte mehr oder weniger von Buch zu Buch.

Je mehr ich lese, desto mehr träume ich. Ich träume von den gelesenen Handlungen, von einzelnen Worten. Ich hatte schon immer lebendige Träume und frage mich abends oft, wohin ich nun wieder entführt würde und was für spannende Abenteuer ich erleben würde. Oft zeigen die Träume auch, was das Herz und die Seele schon wissen, nur ich noch nicht erkennen kann.

Lange konnte ich nicht schreiben. Weder hier im Blog, noch Geschichten oder Gedichte. Den Knackpunkt konnte ich vor einigen Wochen in meinem Urlaub, in der Natur Norddeutschlands, brechen. Denn da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich mich selbst durch meine mir selbst erlegten Pflichten und der versuchten Perfektion immer unter Druck setze. Täglich versuche nun, das abzubauen und lockerer zu werden. Mir selbst gegenüber. Ich folge meinem Herzen.

Der nächste Schritt ist, zu erkennen, was ich wirklich mit meinem Leben anfangen will. Ich habe wieder Träume. Eine Menge Träume. Eine Menge Möglichkeiten. Mache ich doch ein Fernstudium? Oder arbeite ich an meinem ganz großen Traum, den ich bereits als Kind hatte? Ich werde meinem Herzen folgen, das verspreche ich mir.

Ich weiß gerade nicht, wohin der Weg gehen wird, aber das ist nicht wichtig, Hauptsache, ich folge dem, was ich will, was ich mir wünsche. Ich war noch niemals so ehrlich mir gegenüber wie in der letzten Zeit. Ich habe auf einmal wieder Zugang zu mir, zu meinen Wünschen.

Es wird Zeit, wieder die Lebendigkeit und Leichtigkeit des Lebens zu spüren und auch mal im Regen zu tanzen. Einfach dem Herzen zu folgen. Zu leben, zu lachen und zu lieben.

funpot: Liebe das Leben.jpg von Fabi.  wenn das immer so einfach wäre. ...:

Familienbande … zusammen sind wir alles, was wir brauchen

B.R.R.

Ich hatte vor einigen Jahren bereits von einer glücklichen Kindheit berichtet, die mich mein ganzes Leben begleitet hatte. Die mir Wurzeln gab. Je älter ich werde, desto klarer sind die Wurzeln zu erkennen. Natürlich war bei uns so manches nicht in Ordnung, wenn ich daran denke, dass meine Eltern die Kinder der Kriegskinder waren und vorbelastet waren, was erst jetzt in intensiven Gesprächen und Reflexionen herauskommt. Das ist die Chance für uns kommende Generationen, es besser zu machen. Und unsere Verantwortung.

Meine Familie war schon immer überall in Deutschland verstreut gewesen, so dass ich viele Tanten und Onkel lange nicht gesehen hatte. Mit meinem Mann ist nochmal eine Menge Familie mit wundervollen liebenden Menschen dazugekommen und auch mein Bruder hat mit seiner zukünftigen Frau eine große Familie dazubekommen.

Die konnten wir vor zwei Wochen bei der Taufe meiner Nichte kennenlernen. Ich komme ja aus einer atheistischen Familie, so sollte diese Taufe meine erste überhaupt sein. Der erste Drang, als Muslime nicht daran teilzunehmen, war groß. Doch es war eine Familienpflicht, diesem Ereignis beizuwohnen. Schließlich wusste mein Bruder genau, dass ich Muslima bin und Kopftuch trage. Wenn er zu diesem Schritt bereit war, war ich es auch.

Dazu muss ich sagen, dass ich immer den Gedanken, ja die Befürchtung hegte, meine Eltern und auch mein Bruder würden sich für meinen Glauben, mein Kopftuch schämen. Ich hatte es immer vermieden, wenn ich meine Eltern besuchte, mit ihnen zusammen etwas zu unternehmen. Diesen Sommer allerdings ergab sich, dass wir alle zusammen loszogen. Mein Dad war sehr brummelig, ich fühlte, dass er ein Problem mit dem Kopftuch hatte. Doch als er merkte, dass ihm nichts passierte, ja dass ich noch nicht mal angestarrt wurde, wurde er lockerer. Und so war er dann auch auf der Tauffeier. Locker.

Mir war es immer wichtig, dass meine Eltern und ich uns nicht voneinander abwandten. Ich war nicht diejenige, die mit Gewalt ihr muslimisches Dasein durchzog. Ich handelte stets mit Rücksicht und mit Gefühl, doch das bedeutete nicht, dass ich diesen Familienfrieden über alle religiösen Gebote stellte. Meine Eltern hatten mir bis heute immer geholfen, wo es ihnen möglich war. Ich bin sehr dankbar dafür. Und ich bin wirklich sehr froh, dass wir weitestgehend ein gutes Verhältnis miteinander haben. Das ist wahrlich ein großes Geschenk.

Die Technik macht alles möglich, natürlich auch Kontakt über große Entfernungen hin. So kam es, dass ich öfter mit einer meiner Tanten kommunizierte. Meinen Eltern zuliebe sagte ich damals, 2011, nichts davon, dass ich Muslima war. Aber zwischen dieser Zeit liegen fünf Jahre, in denen Menschen sich weiter entwickeln, und der Sommer zeigte mir, dass es Zeit war, meiner Tante zu erzählen, welchen Glauben ich hatte und dass ich Kopftuch trage. Natürlich hatte sie damit kein Problem, was ich auch nie angenommen hatte. Man spürt einfach, wenn die richtige Zeit da ist, etwas zu tun. Veränderungen sind gut. Sie führen oft zum Unverhofften, Besseren. Mir war es nur wichtig, dass meine Tante so besser nachvollziehen kann, was ich meine, wenn sie weiß, welchen Background ich habe.   Und die Gespräche mit ihr tun mir auch wirklich gut und geben mir eine andere Sichtweise auf manche Dinge und Ereignisse.

Mein Bruder lebt ohne einen Glauben an Gott, seine Verlobte ist katholisch und ihr war es wichtig, dass die kleine Tochter getauft wird. Wie schon gesagt, war es meine erste Taufe überhaupt, an der ich teilgenommen hatte. Ganz so wohl fühlten wir uns in der Kirche nicht, jedenfalls fehlte diese innere Ruhe, die sich auf Herz und Seele legt. Der Pfarrer war einer der lockeren, der zwischendurch eine Menge lustiger Sprüche losließ, immer wieder betonte, dass die Menschen sehr verschieden seien und zum Abschluss noch für jeden ein paar Worte übrig hatte. Auch wir uns. Er sagte, er freue sich über die muslimischen Gäste und dass wir sehen können, dass uns in der Kirche nichts passiert. Das war vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt, dennoch verstand ich, was er uns wohl hatte sagen wollen. Mit dem Gang zur Kirche hatten wir Respekt für die Familie und den anderen Glauben gezeigt. Ich fühlte, dass es der richtige Weg gewesen war. Manchmal muss man dafür über seinen Schatten springen.

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Nur ein kleiner Aufenthalt auf der Lebensreise

B.R.R.

Vor einigen Wochen kam ich auf eine Seite, die sich mit der Zufriedenheit des Lebens und der Arbeit beschäftigte. Einige Worte ließen mich gedanklich nicht mehr los. Auf die Frage, warum man seine Arbeit gern machte – fiel mir keine Antwort ein. Erschreckend, nicht wahr?

Es ist nicht so, dass ich meine Arbeit nicht gern mache. Es ist nur so, dass ich oft bestimmten Krankenschwestern helfen muss, weil die mit ihrer Zeit nicht so hinkommen. Dass ich dann nicht unbedingt Freudenschreie ausrufe, ist ja wohl klar. Es ärgert mich, dass sie es sich so einfach machen und dann meine Hilfe auch noch so selbstverständlich nehmen.

Es gab mal eine Zeit, in der ich lange nach den Schwestern Feierabend hatte, nur weil ich ihnen helfen musste. Ich sage nichts, wenn viel los ist und ich helfe gern, aber nicht, wenn die anderen dann vor mir nach Hause gehen. Obwohl ich normalerweise vor ihnen Schluss habe.

Unter dem Aspekt war die Frage, was ich an meiner Arbeit mag, irgendwie verschwunden. Ja, meine Arbeit ist nichts besonderes. Es hat auch nichts mit meiner Ausbildung zu tun und ich trage keinerlei weitere Verantwortung, was ich bedauere. Trotzdem ist es keine langweilige Arbeit. Ich freue mich nach dem Urlaub, wieder in die Tagesklinik zu gehen und bei den Patienten zu sein.

Damit mir dies klar wurde, musste ich meine Gedanken ordnen. Das tat ich in einem Gedicht:

 

Der Wert meiner Tätigkeit

Ich bin auf dem Weg zur Arbeit
Ich kann nicht sagen, warum ich sie mag
Das ist ein erschreckender Schlag
Die Arbeit ist nichts Besonderes
Ist das vielleicht mein Problem?
Ich verdiene nicht viel Geld
Bin nicht vornehm
Und nicht hoch angesehn

Was für mich auch nie wichtig war
Geld ist nicht alles im Leben
Nur will uns die Gesellschaft das so vorleben
Uns diesen Stempel aufkleben
Dass du nur etwas bist
Wenn du studierst
Nach der großen Karriere gierst
Und deine Familie ohne dich leben muss
Weil du immer in der Firma bist
Die Arbeit dich auffrisst
Sogar anpisst
Du das Atmen und zu leben vergisst
Wann hast du das letzte Mal gelacht?
Deiner Familie eine Freude gemacht?
Einen schönen Urlaub verbracht?
Irgendwo steht deine Yacht
Unbewacht

Jetzt hab ich es nochmal durchdacht
Und mein Wille ist erwacht
Mich in mein Schicksal zu ergeben
So will ich doch niemals leben
Meine Familie könnt ich nie aufgeben
Sie ist alles was zählt
Millionenmal mehr wert als Geld
Ja, so ist meine Welt
Es bedarf’s eines Gedichts, dass es mir einfällt
Bewusst wird
Und der Gedanke zu versagen
Nicht mehr umherirrt
Ich mach zwar nichts Besonderes
Doch das was ich tue
Gibt mir innere Ruhe
Für des Lebens Schatztruhe
Ich bin momentan zufrieden
Muss keine großen Pläne schmieden
Das ist entschieden

Dieses Gedicht schrieb ich vor etwa drei Wochen. Was mir ganz neu klar wurde, ist, dass diese Arbeit nur eine Teilstation auf meinem weiteren Weg ist. Noch ist nicht die Zeit, andere Wege zu gehen und große Pläne zu schmieden. Dafür habe ich noch zuviel anderes in Ordnung zu bringen. Aber wer weiß? Ich bin für andere Wege offen und bereit. Doch ist es ein herrliches Gefühl, sagen zu können, ich gehe gern zur Arbeit, auch wenn manche Kolleginnen es einem nicht leicht machen. So, wie ich dort „hineingeraten“ bin und es dafür einen Grund geben muss, wird Allah mich weiter auf meinem Weg führen und leiten.

Alhamdulillah für alles.

 

Sollen wir akzeptieren, was nicht zu ändern ist?

B.R.R.

 

Irgendwie scheint es sich oft in meinen Beiträgen um das Leben zu drehen. Das ist ja auch kein Wunder, denn ich will – wie so viele andere auch – das Beste aus meinem Leben machen. Und wenn es mal nicht so gut funktioniert, dann sollten wir das mit Geduld ertragen und versuchen, es besser zu machen. Nicht erst morgen, nicht nächsten Montag. Sondern gleich. 

Es ist ehrenhaft, sich für Fehler zu entschuldigen und noch ehrenhafter ist es, zu verzeihen. Meine Mama sagte vor gar nicht langer Zeit zu mir, noch vor ein paar Jahren sei ich immer mit meinem Papa aneinander geraten, doch mit einem Mal war das weg. Ja, ich hatte mir vorgenommen, mich nicht mehr von ihm ärgern zu lassen. Dann hörte er auch auf. Außerdem sind wir nun zu erwachsen, um mit den Türen zu knallen und uns mit den Eltern zu streiten wie in der Teenagerzeit. Dafür habe ich zwar meine Tochter, aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt ist sie die Rebellin hier 😉

Was ich damit sagen will: Wenn es in unserer Hand liegt, können wir selbst mit einer kleinen Tat viel ändern. Mit Allahs Hilfe wohlbemerkt. Die anderen ändern sich nicht, aber wir können uns ändern und uns entscheiden, unser Leben zum Besseren zu ändern. Dafür braucht es oft nicht viel.

Alles fängt mit einem kleinen Schritt an. Auch eine Wanderung über Kontinente hinweg. Solange wir in Bewegung sind, ist alles gut. Da macht auch der Spruch, dass der Weg das eigentliche Ziel ist, viel Sinn.

Was aber momentan ein schweres „Projekt“ ist, ist etwas zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann. Ich verbrauche meine Energie, kämpfe dagegen an – für nichts. Kennt ihr das? Was macht ihr da?

Es ist eine Lösung, den Blick auf etwas Positives zu lenken und so das Unabänderliche abzuschwächen. Leider klappt das nicht immer. Nicht jeder Tag ist gleich. Unser Leben verhält sich durch die Ereignisse des Tages und Gefühle so wie Ebbe und Flut.

Aber eine viel bessere Lösung ist es doch, die Einstellung zu der unabänderlichen Sache zu ändern. So haben wir die Sache wieder in der Hand und fühlen uns nicht macht- und hilflos. Und da ist eben wieder dieses schöne Wort, etwas zu ändern, besser zu machen.

Was aber genauso dazu gehört, ist das sich-nicht-beklagen, nicht-jammern. Denn das ändert nichts, macht nur krank und zieht nur den Blick auf das Negative, dem wir eigentlich entgehen wollen. Und wer versteht uns denn wirklich? Ist es nicht vielmehr so, dass die meisten überfordert sind, wenn wir uns beklagen? Am besten hilft es uns, uns Allah zuzuwenden und in einem Zwiegespräch uns alles von der Seele zu reden. Das befreit uns von der Last und mit der Bitte im Bittgebet lässt Allah uns die Hilfe zukommen, die wir noch brauchen. Trotz allem: den ersten Schritt müssen wir tun, die Änderung müssen wir wollen. Dann klappt es auch mit der Besserung des Lebens. 

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Wenn du nichts änderst, ändert sich nichts – ein Werk von AmaraIzzah