B-R-R
Oh Mann, hier war ich ja schon ewig nicht mehr. Es ist gerade so, als betrete ich ein Haus, welches ich nur noch aus der Erinnerung kenne und mich wie ein Gast fühle.
Vielen Dank an alle, die trotzdem regelmäßig hier vorbeischauen, auch wenn sich wenig bis gar nichts tut.
Mein Schreibprojekt hatte sich im November relativ schnell erledigt. Das hat mich frustriert, weil ich genau das, was ich mir vornehme und fest im Kopf verankere, auch schaffen will. Aber ich merkte, dass die Arbeit und die Kurse schnell meine ganze Zeit einnahmen. Ich sehe noch vor mir, wie ich im November kurz vor Mitternacht Rechnungswesen-Hausaufgaben machte.
Meine Geschichte wurde beim Schreibwettbewerb auch nicht genommen, was mich sehr ärgerte. Ich glaube an mein Talent und hatte fest mit der Zusage gerechnet. Aber das aushalten zu müssen, dass nicht immer alles klappt, wie man es sich vorstellt, ist natürlich auch ein tolles Training. Trotzdem, einige Tage war ich echt enttäuscht.
Aber soviel Zeit, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, hatte ich nicht. Die Arbeit,die Kurse und der Elternbeirat nahmen mich voll ein. Das hat sich natürlich bis heute nicht geändert. Ich will es auch nicht, bin glücklich, so viel zu tun zu haben, sonst wäre mein Leben langweilig.
Ich hatte mich sehr auf meinen Urlaub gefreut, war eine Woche bei meiner Familie. Einerseits war es schön, andererseits sind die Unterschiede unserer Lebensführungen dann überdeutlich und manchmal schaffen wir nicht, uns zu einigen. Meine Eltern können meine Religionswahl auch nach fast 13 Jahren nicht verstehen. Lieber werden schwierige Dinge verschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Erst am letzten Tag spielten wir alle Tabu zusammen, was so lustig und schön war.
Ich mache eine wegwerfende Handbewegung und denke: Egal, was soll’s, vielleicht wird es sich irgendwann ändern. Ich werde es jedenfalls immer hoffen. Schließlich bin ich nicht die Einzige auf der Welt, der es so geht.
Anfang Januar hatte ich es kaum erwarten können, wieder zu arbeiten. Zwei Wochen war ich allein. Meine Kollegin hatte Urlaub, genoss die Sonne im weit entfernten Süden, und ich bemühte mich, alles was anstand, so gut wie möglich zu erledigen. Hamdulillah, ich wusste immer, was zu tun war oder wenn nicht, wo ich Hilfe holen konnte, wenn etwas unklar war. Diese Woche dagegen war etwas hart. Es gab sehr sehr viel zu tun, und ich geriet mehr als einmal ins Schwitzen. Weil ich immer und immer eine Perfektionistin sein muss. Weil ich mich selbst bei kleinen Fehlern über mich ärgere. Als ob ich sonst nichts zu tun hätte. Naja, ihr kennt das sicher. Zwei Prüfungen standen auch vor der Tür. Eine lief gut, die andere nicht. Zum einen lag es daran, dass ich den ganzen Stoff noch nicht hatte und trotzdem mitgeschrieben habe, zum Anderen hatte ich echte Probleme, mich zu konzentrieren, wenn ich arbeitstechnisch weniger zu tun hatte und das Thema absolut uninteressant war. Ihr wisst schon, was ich meine. Diesen ganzen theoretischen Quatsch, den man lernt und doch niemals braucht, weil es in der Praxis ganz anders gemacht wird. Aber psst, das bleibt natürlich unter uns
Ob ich bald wieder an einen Schreibwettbewerb teilnehme? Ich weiß es nicht, es passiert zu viel. Das Rad des Lebens dreht und dreht sich immer schneller. Wir können es nicht anhalten. Ich schaffe kaum, etwas zu lesen.
Dann hatten wir in dieser Woche eine Elternbeiratssitzung. Im Hort tut sich viel, da bin ich sehr eingespannt. Gern würde ich in der Schule mehr machen, aber es reicht auch schon, dass ich da Elternklassensprecherin bin. Ich bin da ja nicht direkt im Elternbeirat. Auf zwei Hochzeiten zu tanzen geht schlecht. Der Tag hat halt nur 24 Stunden und nicht 40.
Ab heute hat mein Projekt angefangen, mit den Hortkindern eine Hortzeitung zu erstellen und durchzuführen. Süß, sie waren so motiviert und es gibt so viele Talente, die gefördert werden müssen. Vor drei Monaten hatte ich dem Hortleiter mein Angebot unterbreitet. Er fand die Idee hervorragend und hat noch mein professionelles Konzept gelobt. Ich weiß, dass noch mehr in mir steckt und mein Potential darauf wartet, an die Oberfläche gelangen zu können.
Interessanterweise habe ich festgestellt, dass die Menschen mit denen ich tagtäglich oder öfter zu tun habe, nicht mein Kopftuch, sondern mich sehen. Früher hatte ich so zu kämpfen, dass ich nicht bloß darauf reduziert werde und musste beweisen, was in mir steckt. Seitdem ich die Posten in der Schule innehatte, hat sich viel geändert. Hamdulillah.
Meine Mama hat letztens gefragt, ob ich das Kopftuch auch auf Arbeit trage, weil sie merkt, dass mir die Arbeit sehr Spaß macht und ich Anerkennung bekomme und sie sich nicht vorstellen kann, dass das auch mit Kopftuch funktioniert. Aber das Stück Stoff gehört nun mal zu mir. Ganz egal, wer was sagt. Die Ausstrahlung ist ja nicht darauf begrenzt bzw. wird vom Kopftuch abgehalten. Die Ausstrahlung bezieht sich auf den ganzen Menschen.
Ich bin und bleibe eine Muslima, die ihren Weg geht und ihren Platz hier hat.