B.R.R.
Es war einmal eine junge Frau, die sich vom Vater ihres Kindes trennte, als dieses noch sehr klein war. Es dauerte Jahre, bis die Wunden bei der Frau heilten und sie sich ein normales Leben aufbauen konnte, nicht nur wegen dieser Ehe, sondern weil noch viele andere Dinge passiert waren.
Zuerst wollte die junge Frau nicht, dass der Vater sein Kind sah, zuviel war passiert. Aber sie wusste auch, dass sie sich nicht dagegen sperren konnte. Wie oft sagte das Jugendamt, ein Kind brauche sein Vater und seine Mutter?
Die Tage, an denen der Vater sein Kind sah, waren sehr nervenaufreibend für sie. Es dauerte lange, bis sie ihm insoweit vertraute, ihm das Kind überlassen zu können. Es war für sie klar, dass das sein musste, ob sie wollte oder nicht. Eigentlich wollte sie eher nicht.
Der Anfang des Umgangs bestand aus zwei Stunden. Zwei Stunden, die von einer Fachfrau begleitet wurden. Der Vater hatte sich ja nicht unbedingt als Vater hervorgetan, sondern alle Arbeit seiner geschiedenen Frau überlassen.
Irgendwann war die junge Frau soweit, den Vater einen ganzen Tag zu seinem Kind zu lassen – unbegleitet. Ihr tat der eine freie Tag sehr gut. Das Kind war schwierig, hatte Entwicklungsstörungen und brauchte besondere Betreuung. Davon hatte der Vater keine Ahnung. Ihn störte alles. Das Kind war zu dünn, konnte das nicht und dies nicht. Jedesmal hatte er etwas auszusetzen an seinem Kind. Als ob er sonst nichts zu tun hätte.
Die Zeit verging und er heiratete wieder eine Frau, mit der er nun zwei Kinder hat. Anfangs arbeitete er selbst noch. Da klappte es mit dem Zahlen des Unterhaltes noch gut. Irgendwann verkündete er der jungen Frau, er wolle nicht mehr arbeiten, habe genug in seinem Leben gearbeitet. Außerdem sei er krank und müsste sich nochmals operieren lassen. In Ordnung fand sie es natürlich nicht. Doch sie schwieg und schluckte den Kummer hinunter.
Anfangs gab es viele Schwierigkeiten mit dem Unterhalt des Vaters. Den wollte er nicht zahlen. Da bekam die junge Frau noch Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt. Es dauerte lange, bis da mal eine Routine hineinkam, und dass der Vater vor allem direkt an sein Kind bezahlte.
Er schien sich immer mehr um sein Kind zu bemühen, besonders als das erste Kind mit der neuen Frau auf der Welt war. Das schmerzte die junge Frau, denn wieviel hatte sie kämpfen müssen, dass er sich mehr mit seinem Kind beschäftigt. Genützt hat es niemals etwas.
Zwischendurch gab es Probleme zwischen dem Kind und der neuen Frau. Das Kind fühlte sich zurückgesetzt, die Frau kämpfte selbst mit sich, dass sie sich zumindest für einen Tag in zwei Wochen um das Kind ihres Mannes kümmerte, das er mit seiner ersten Frau hatte. Die junge Frau redete dem Kind immer gut zu, versuchte immer zu vermitteln, wo sie konnte. Sie wollte sich nie den Ärger anmerken lassen, der in ihr keimte. Der Kindsvater machte es ihr in dieser Hinsicht besonders schwer, aber sie wollte ihrem Kind nicht im Weg stehen, wenn es seinen Vater besuchte. Und ihm wollte sie nicht im Weg stehen, damit er sich mit seinem Kind auseinandersetzte.
Das alles ist nun schon ein paar Jahre her. Begriffen hat er nichts, nichts vom Leben, nicht, wie er mit dem Kind umzugehen hat und vor allem an seinem schlechten Benehmen und sein kleines Denken hatte sich nichts geändert. Er hatte nur vor Augen, das Kind wollte nichts lernen, nichts lesen. Da müsste er mal mehr tun, wenn ihm das so wichtig wäre. Einmal ließ er das Kind vier Stunden Computer spielen, was sollte es dabei auch lernen? Auch schaute das Kind bei ihm viel fern, es war ja damit so einfach für ihn, Zeit für sich zu haben.
Mit dem Unterhalt ging es auch weiter bergab. Die junge Frau musste für den Unterhalt, der nur ihrem Kind zugute kam, hart kämpfen. Der Vater machte es sich sehr einfach zu behaupten, er hätte kein Geld. Sein erstes Kind mit der jungen Frau war genauso sein Kind wie die anderen beiden.
Der Unterhalt wurde weit heruntergesetzt. Die junge Frau stimmte dem zu, denn sie wusste, wenn sie hier nicht ja sagte, bekäme sie nichts für ihr Kind. Das klappte einige Monate, dann bezahlte der Vater nicht mehr.
Was sollte die junge Frau tun? Sie konnte nicht einfach den Umgang verbieten, nicht aus diesen Gründen, dann wäre sie ja genauso schäbig wie er. Sie versuchte also, mit dem Kindsvater zu reden. Der jammerte nur, dass er kein Geld habe. Sie selbst hatte auch zu wenig Geld, versuchte jedoch, das Beste aus allem zu machen.
Bisher hatte die Beistandschaftsabteilung des Jugendamtes ihr nicht wirklich weitergeholfen. Hätte sie sich um alles selbst gekümmert, hätte sie mehr Erfolg gehabt, daran glaubte sie fest. Es gab so einige fähige Anwälte …
Irgendwann gingen wieder Unterhaltszahlungen auf ihr Konto ein. Viel zu niedrig. Doch ihr ging es mehr um das Prinzip, dass der Vater für das Kind zahlte, was er erübrigen konnte. Das es nicht genug war, sei mal dahingestellt.
Nach mehreren Monaten bekam die junge Frau ein Schreiben vom Jugendamt. Es seien noch 1.300 Euro Unterhalt nachzuzahlen und der Anwalt des Vaters reichte einen Antrag bei Gericht ein, dass der Vater das Geld nicht habe und diesen Betrag nicht zahlen werde. Damit war die junge Frau selbstverständlich nicht einverstanden. Sie hatte genug Rücksicht auf ihn genommen war war ihm mehr als entgegengekommen. Ihre Geduld und ihre Kraft war am Ende. So ging es jedenfalls nichts weiter. Sie antwortete dem Jugendamt, dass sie damit nicht einverstanden sei, schon genug Rücksicht auf ihn genommen habe. Zwar verstehe sie, dass es schwierig für den Vater sei und sie hoffte, dass sich für alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung ergebe. Das hoffte sie von Herzen.
Nun meldete sich das Jugendamt nach einiger Zeit wieder. Der Kindsvater brauche das Geld erstmal nicht zu bezahlen, da er es nicht habe. Toll, das war wirklich toll. Normalerweise war die junge Frau postiv eingestellt, aber in diesem Fall wusste sie genau, das hier war ein Freifahrtsschein für ihn, der Unterhaltspflicht nicht nachzukommen, abgesehen von dem geringen Betrag, den er gerade zahlte. Zwar wollte das Jugendamt ihn immer wieder anmahnen, aber da er nicht mehr arbeiten will, wenn dann vielleicht schwarz, hatte er nichts zu befürchten, dass er seine Rechnung begleichen sollte. Es gäbe noch die Möglichkeit, das Geld einzuklagen, aber das war keine gute Lösung für die junge Frau, da würde zuviel Blut vergossen auf den Rücken des Kindes. Und natürlich gab das Jugendamt gleich an, er würde sowieso eine Gegenklage starten.
Die junge Frau fühlte sich zu Recht vom Jugendamt betrogen. Nichts konnte sie tun. Es war für sie schwer, sich mit diesem Urteil abzufinden. Und dann sollte sie beim nächsten Treffen so tun, als sei nichts geschehen?
Alleinerziehende tun alles für ihre Kinder und kümmern sich weitgehend allein um alle Kinder betreffenden Dinge.
Alleinerziehende können sich sehr gut organisieren in Familie, Arbeit und Haushalt und bekommen vieles allein geregelt.
Alleinerziehenden wird von den Vätern niemals gedankt, was sie alles tun.
Sie sind einfach die ewigen Verlierer.

Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de