Monatsarchiv: Januar 2012

Der Weg deiner Wahrheit

B.R.R.

Jan Wattjes / pixelio.de

Wenn du an den Punkt gelangst, wo du meinst, alles hätte sich gegen dich verschworen, blicke in dein Herz und du wirst erkennen, dass die Lösung, wie es weitergeht, bereits in dir ist. Vielleicht konntest du dir gestern noch gar nicht vorstellen, wie du aus der Sackgasse gelangen könntest, aber heute ist dir klar, dass du Mauern einreißen und aus den Mauerbrocken Neues bauen kannst.

Wenn du die Wahrheit einmal in deinem Kopf geformt und ausgesprochen hast, hab keine Angst davor, ihren Weg zu gehen. Es ist dein Weg und deine Zeit ist gekommen, das zu ändern, was du in deinem Leben nicht haben willst.

Hab Geduld, und nichts wird dir passieren, auch wenn du meinst, vor dir breitet sich das größte Chaos aus. Es kann alles nur besser werden als es jetzt gerade ist!

 

Mein Held und dessen tragische Geschichte – Teil 1

B.R.R.

1986 durfte  ich in die Schule gehen und eine unbeschwerte Kindheit verleben, wofür ich wirklich dankbar bin. In anderen Teilen der Welt sah und sieht es bis heute ganz anders aus. Im selben Jahr, also 1986, gab es einen Jungen, dessen Kindheit endete, als er vier Jahre alt war. Er ging morgens um vier Uhr aus dem Haus und kehrte abends sieben Uhr wieder zurück. Er hat es sich nicht aussuchen können, in einem pakistanischen Dorf im Punjab geboren worden zu sein. Seine Familie gehörte zu den Ärmsten der Armen. Für ungefähr 12 US-Dollar wurde er an den Besitzer einer Teppichfabrik verkauft und musste dort sechs Jahre lang 12 Stunden am Tag Teppiche knüpfen.

Bild Indisches Mädchen knüpft Teppiche.

Es war nicht einfach für mich, die Eltern solch armer Kinder nicht einfach zu verurteilen. Da haben eine Menge Leute ihre Hände im Spiel. Ein Exporteur in Pakistan oder Indien oder wo auch immer nimmt mit einem Geschäft in Europa oder Amerika Verbindung auf, das ihm 50 Teppiche für 500 Dollar pro Stück abkaufen würde. Hat der Exporteur keine Fabrik, gibt er den Auftrag an einen Händler weiter. Wenn der Vertrag zwischen beiden erstellt wurde, in dem steht, dass er Händler in sechs Monaten 50 Teppiche knüpft, bekommt er 250 Dollar pro Stück. Dann wendet sich der Händler an einen Zwischenhändler, dessen Aufgabe es ist, Werber, Kundschafter und Zulieferer einzuschalten. Händler und Zwischenhändler einigen sich darauf, dass der Zwischenhändler 125 Dollar pro Teppich bekommt, wenn er in sechs Monaten 50 Teppiche beschaffen kann.

Die Werber reisen in abgelegene Dörfer, treffen sich mit den Kundschaftern, die genau wissen, welche Familie Not leidet. Der Werber spielt der Familie etwas vor und bietet seine Hilfe an, in dem er sagt, er kann das Kind in einer Firma unterbringen, wo es ein Handwerk lernt. Die Familie hat keine Alternative und das Kind wird einem Zulieferer übergeben, der es zu der Fabrik bringt, wo es nun arbeiten wird. Das Kind ist dann ab sofort Eigentum des Fabrikbesitzers. Wahnsinn, was für ein ausgeklügeltes System dahintersteckt!

Bild 

Der Junge, um den es hier geht, hieß Iqbal. Er war ein Kämpfer und versuchte mehrere Male, aus der Fabrik zu fliehen. Sein Sinn für Freiheit war unbeugsam. Er wurde jedesmal wieder von seinem “Herrn” eingefangen und bestraft. Oft wurde er wie die anderen Kinder auch an den Knüpfstuhl gefesselt Durch die lange und harte Arbeit, unzureichende Ernährung und das Leben in den beengten Räumen (denn irgendwann schliefen die Kinder in den Fabriken), wurden die Kinder krank. Iqbal war mit 12 Jahren so groß wie ein normaler Sechsjähriger.

Als der tapfere Iqbal zehn Jahre alt war, konnte er mit Hilfe der pakistanischen Organisation “Bounded Labour Liberation Front” (BLLF, Front zur Befreiung aus der Schuldknechtschaft) befreit werden. Die Arbeit dieser und anderer  Organisationen, die auf der Seite der Kinder waren, hatte aber schon viele Jahre vorher begonnen. Der Gründer der BLLF, Eshan Ullah Khan, und seine Mitstreiter waren nur eine kleine Gruppe mit wenig Geld. Sie wussten nicht, wie sie anfangen sollten, gegen die Schuldknechtschaft zu kämpfen. Am Ende entschieden sich dafür, den Kindern sei am ehesten geholfen, wenn sie sich darauf konzentrierten, die Schuldknechtschaft abzuschaffen.

Bis es tatsächlich soweit war, war es ein langer und steiniger Weg. Das Pakistanische Gericht entschied zwar, dass das System der Schuldknechtschaft ein Verstoß gegen die Verfassung Pakistans war, aber die unbezahlten Schulden wurden nicht erlassen. Das hieß, das Kinder weiterhin  für die Schulden ihrer Familie aufkommen mussten. Wenn dieses Kind dann erwachsen war und eigene Kinder hatte, waren auch sie dazu verdammt, die Schulden der Großeltern abzuzahlen.

 

Fortsetzung folgt inshallah, da das Thema zu umfangreich ist…

Sorry

Sorry

Bevor ich mich anderen Dingen widmen kann, muss ich mich aufrichtig bei einer besonderen Person entschuldigen.

Heute war nicht mein Tag.

Sorry, es tut mir wirklich leid.

Ich hoffe sehr, dass DU weißt, dass genau DU gemeint bist und niemand sonst.

 

Es gibt mal wieder Leseempfehlungen von mir

B.R.R.

Eigentlich wollte ich heute eine Menge erledigen. Unter anderem endlich die Protokolle von den Elternbeiratssitzungen vom November und vor einer Woche schreiben. Hatte ich mir jedenfalls für heute ganz dick in den Kalender geschrieben. Aber darauf hatte ich gar keine Lust. Dann wollte ich einen Artikel mit schwerem Inhalt schreiben. Das habe ich auch nicht geschafft.  Stattdessen hab ich jetzt zwei Stunden mit einer ganz ganz lieben Schwester telefoniert.

Selbst zum Lesen komme ich außer in der U-Bahn nicht mehr. Und damit wären wir beim heutigen Thema. Wer mich gut kennt, weiß, dass ich immer vier, fünf, manchmal auch sechs Bücher auf einmal lese. Im Augenblick sind es nur zwei:

und

Das erste Buch hab ich mir von der Arbeit ausgeliehen. Wie der Titel schon sagt, geht es darum, den passenden Job zu finden. Der Autor behauptet felsenfest, den passenden Job gibt es. Es liest sich wunderbar und der Autor erklärt, dass man jetzt umdenken muss, Jobs sehr kurzlebig sind usw. Er zeigt Lösungen an, wie man vorgehen muss bzw. kann. Zum Beispiel sollte man genau wissen, was man gern macht und in welchem Bereich man gern arbeiten würde. Dazu muss man sich aber mit seinem Leben auseinandersetzen. So eine Kompetenzerfassung habe ich zuletzt vor vier Jahren in meiner Jobfit-Weiterbildung gemacht. Ich muss das alte Zeug mal wieder herauskramen und vollständig überarbeiten. In vier Jahren hat sich echt eine Menge verändert.

Fakt ist, ich weiß schon mal, was ich arbeiten will. Ich weiß auch, dass die Stelle, die ich gerade habe, zu 100 % perfekt ist. Leider ist das nur vorübergehend. Darum muss ich langsam anfangen, mich damit wieder auseinanderzusezten. Vor einer Woche hatte ich Bewerbungscoaching und mein Lebenslauf sei gar nicht mal so schlecht, ich müsste alles  nur besser ins Licht stellen. Bescheidenheit ist da fehl am Platz. Ich kann ja wirklich eine ganze Menge.  Das weiß ich doch. Aber jedenfalls wird es langsam Zeit, an einem Plan zu arbeiten. Ich will ja dann nicht wieder einfach nur zu Hause sitzen. Jetzt, wo Meri einen Hortplatz hat, steht mir die Welt offen – naja, so ungefähr. Und das Buch ist wirklich ein guter Begleiter dafür.

“Die Söhne Abrahams” ist zwar nur ein Thriller, dennoch zeigt es die Wirklichkeit, in der die Menschen in Palästina und Israel leben und wer mit wem korrumpiert. Da geht es um Extremisten auf beiden Seiten, die ständig einfach so Menschenleben auslöschen. Die Welt steht kurz vor dem Weltfrieden, einer zwei-Staaten-Lösung. Plötzlich  wird ein Rabbi entführt, der natürlich nur für das Land Israel ist und der Doc der Abu-Bakr-Brigade hält dies  für völlig ausgeschlossen. Es folgen interessante Wortkriege, beide sind stur und unnachgiebig und doch stellen sie fest, dass sie vieles gemeinsam haben. Ob sie ihre Mauern in ihren Köpfen ändern können oder ob sich am Ende nichts ändert und die Aktion das Leben vieler Menschen kostet, bleibt abzuwarten. Da kann alles passieren.

Der Autor auf jeden Fall war mal ein Nahostexperte, der sich nichts sehnlicher als Ruhe für die dort lebenden Menschen wünscht. Auf beiden Seiten.

Das Buch ist auch sehr spannend, leicht zu lesen und am liebsten würde ich es erst aus den Händen legen, wenn ich auf der letzten Seite bin. Ich mag politische Thriller, in denen auf den ersten Blick alles so verworren ist.

PS: Ich habe nun die Ergebnisse meiner Prüfungen. Die, wo ich wusste, ich habe sehr gut abgeschnitten, habe ich mit 1,0 bestanden und die, wo ich zuerst dachte, die lief nicht so gut, habe ich als Beste mit 2,2 bestanden.

 

 

 

 

Wahres Glück …

B.R.R.

Karina Sandow / pixelio.de

Die kleinen Momente, auf den ersten Blick unscheinbar, sind das, was das Leben lebenswert macht.

Es kann manchmal ein Blick sein, der zwei Menschen verbindet.

Es kann ein Lächeln sein, was von Herzen kommt.

Es können nette aufmunternde Worte sein, die jemand benötigt und demjenigen, der Trost braucht, wieder Hoffnung bringen.  

Solche vermeintlich kleinen Dinge, die große Spuren hinterlassen, gibt es viele.

Für mich war das Glück heute, eine liebe Schwester zu treffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Zuletzt haben wir im vergangenen Ramadan gemeinsam unser Fasten beendet.

Die drei, vier Minuten, in denen wir miteinander gesprochen haben, haben mich wieder das Band der Geschwisterlichkeit fühlen lassen. Ich mag sie sehr gern. Ayse ist eine junge, ehrenamtlich sehr engagierte Frau, die immer dabei ist, wenn es eine Veranstaltung und etwas zum Organisieren gibt. Ayse ist 10 Jahre jünger als ich, aber ich habe viel von ihr gelernt. Vor allem, was es heißt, selbstbewusst seinen eigenen Weg zu gehen und mutig für das einzustehen, woran man glaubt.

Ich liebe diese kurzen Treffen, in denen wir ehrlich am anderen interessiert sind und uns kurz austauschen, wie es uns geht und was es Neues gibt.

Das hat mir auch gezeigt, dass ich mich mehr mit anderen Schwestern treffen sollte. Oder mit Freundinnen. Es schadet nicht, öfter das kleine Glück zu spüren.

Das Glück ist nur der Augenblick, der zu etwas Besonderem wird und an dem das Herz sich noch lange erfreut.

In diesem Sinne wünsche ich allen, dass sie viele Glücksmomente erleben und das Leben dadurch farbenprächtig und lebendig wird.

Joujou / pixelio.de

Vom Ärger der Alleinerziehenden Oder Die ewigen Verlierer

B.R.R.

Es war einmal eine junge Frau, die sich vom Vater ihres Kindes trennte, als dieses noch sehr klein war. Es dauerte Jahre, bis die Wunden bei der Frau heilten und sie sich ein normales Leben aufbauen konnte, nicht nur wegen dieser Ehe, sondern weil noch viele andere Dinge passiert waren.

Zuerst wollte die junge Frau nicht, dass der Vater sein Kind sah, zuviel war passiert. Aber sie wusste auch, dass sie sich nicht dagegen sperren konnte. Wie oft sagte das Jugendamt, ein Kind brauche sein Vater und seine Mutter?

Die Tage, an denen der Vater sein Kind sah, waren sehr nervenaufreibend für sie. Es dauerte lange, bis sie ihm insoweit vertraute, ihm das Kind überlassen zu können. Es war für sie klar, dass das sein musste, ob sie wollte oder nicht. Eigentlich wollte sie eher nicht.

Der Anfang des Umgangs bestand aus zwei Stunden. Zwei Stunden, die von einer Fachfrau begleitet wurden. Der Vater hatte sich ja nicht unbedingt als Vater hervorgetan, sondern alle Arbeit seiner geschiedenen Frau überlassen.

Irgendwann war die junge Frau soweit, den Vater einen ganzen Tag zu seinem Kind zu lassen – unbegleitet. Ihr tat der eine freie Tag sehr gut. Das Kind war schwierig, hatte Entwicklungsstörungen und brauchte besondere Betreuung. Davon hatte der Vater keine Ahnung. Ihn störte alles. Das Kind war zu dünn, konnte das nicht und dies nicht. Jedesmal hatte er etwas auszusetzen an seinem Kind. Als ob er sonst nichts zu tun hätte.

Die Zeit verging und er heiratete wieder eine Frau, mit der er nun zwei Kinder hat. Anfangs arbeitete er selbst noch. Da klappte es mit dem Zahlen des Unterhaltes noch gut. Irgendwann verkündete er der jungen Frau, er wolle nicht mehr arbeiten, habe genug in seinem Leben gearbeitet. Außerdem sei er krank und müsste sich nochmals operieren lassen. In Ordnung fand sie es natürlich nicht. Doch sie schwieg und schluckte den Kummer hinunter.

Anfangs gab es viele Schwierigkeiten mit dem Unterhalt des Vaters. Den wollte er nicht zahlen. Da bekam die junge Frau noch Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt. Es dauerte lange, bis da mal eine Routine hineinkam, und dass der Vater vor allem direkt an sein Kind bezahlte.

Er schien sich immer mehr um sein Kind zu bemühen, besonders als das erste Kind mit der neuen Frau auf der Welt war. Das schmerzte die junge Frau, denn wieviel hatte sie kämpfen müssen, dass er sich mehr mit seinem Kind beschäftigt. Genützt hat es niemals etwas.

Zwischendurch gab es Probleme zwischen dem Kind und der neuen Frau. Das Kind fühlte sich zurückgesetzt, die Frau kämpfte selbst mit sich, dass sie sich zumindest für einen Tag in zwei Wochen um das Kind ihres Mannes kümmerte, das er mit seiner ersten Frau hatte. Die junge Frau redete dem Kind immer gut zu, versuchte immer zu vermitteln, wo sie konnte. Sie wollte sich nie den Ärger anmerken lassen, der in ihr keimte. Der Kindsvater machte es ihr in dieser Hinsicht besonders schwer, aber sie wollte ihrem Kind nicht im Weg stehen, wenn es seinen Vater besuchte. Und ihm wollte sie nicht im Weg stehen, damit er sich mit seinem Kind auseinandersetzte.

Das alles ist nun schon ein paar Jahre her. Begriffen hat er nichts, nichts vom Leben, nicht, wie er mit dem Kind umzugehen hat und vor allem an seinem schlechten Benehmen und sein kleines Denken hatte sich nichts geändert. Er hatte nur vor Augen, das Kind wollte nichts lernen, nichts lesen. Da müsste er mal mehr tun, wenn ihm das so wichtig wäre. Einmal ließ er das Kind vier Stunden Computer spielen, was sollte es dabei auch lernen? Auch schaute das Kind bei ihm viel fern, es war ja damit so einfach für ihn, Zeit für sich zu haben.

Mit dem Unterhalt ging es auch weiter bergab. Die junge Frau musste für den Unterhalt, der nur ihrem Kind zugute kam, hart kämpfen. Der Vater machte es sich sehr einfach zu behaupten, er hätte kein Geld. Sein erstes Kind mit der jungen Frau war genauso sein Kind wie die anderen beiden.

Der Unterhalt wurde weit heruntergesetzt. Die junge Frau stimmte dem zu, denn sie wusste, wenn sie hier nicht ja sagte, bekäme sie nichts für ihr Kind. Das klappte einige Monate, dann bezahlte der Vater nicht mehr.

Was sollte die junge Frau tun? Sie konnte nicht einfach den Umgang verbieten, nicht aus diesen Gründen, dann wäre sie ja genauso schäbig wie er. Sie versuchte also, mit dem Kindsvater zu reden. Der jammerte nur, dass er kein Geld habe. Sie selbst hatte auch zu wenig Geld, versuchte jedoch, das Beste aus allem zu machen.

Bisher hatte die Beistandschaftsabteilung des Jugendamtes ihr nicht wirklich weitergeholfen. Hätte sie sich um alles selbst gekümmert, hätte sie mehr Erfolg gehabt, daran glaubte sie fest. Es gab so einige fähige Anwälte …

Irgendwann gingen wieder Unterhaltszahlungen auf ihr Konto ein. Viel zu niedrig. Doch ihr ging es mehr um das Prinzip, dass der Vater für das Kind zahlte, was er erübrigen konnte. Das es nicht genug war, sei mal dahingestellt.

Nach mehreren Monaten bekam die junge Frau ein Schreiben vom Jugendamt. Es seien noch 1.300 Euro Unterhalt nachzuzahlen und der Anwalt des Vaters reichte einen Antrag bei Gericht ein, dass der Vater das Geld nicht habe und diesen Betrag nicht zahlen werde. Damit war die junge Frau selbstverständlich nicht einverstanden. Sie hatte genug Rücksicht auf ihn genommen war war ihm mehr als entgegengekommen. Ihre Geduld und ihre Kraft war am Ende. So ging es jedenfalls nichts weiter. Sie antwortete dem Jugendamt, dass sie damit nicht einverstanden sei, schon genug Rücksicht auf ihn genommen habe. Zwar verstehe sie, dass es schwierig für den Vater sei und sie hoffte, dass sich für alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung ergebe. Das hoffte sie von Herzen.

Nun meldete sich das Jugendamt nach einiger Zeit wieder. Der Kindsvater brauche das Geld erstmal nicht zu bezahlen, da er es nicht habe. Toll, das war wirklich toll. Normalerweise war die junge Frau postiv eingestellt, aber in diesem Fall wusste sie genau, das hier war ein Freifahrtsschein für ihn, der Unterhaltspflicht nicht nachzukommen, abgesehen von dem geringen Betrag, den er gerade zahlte. Zwar wollte das Jugendamt ihn immer wieder anmahnen, aber da er nicht mehr arbeiten will, wenn dann vielleicht schwarz, hatte er nichts zu befürchten, dass er seine Rechnung begleichen sollte. Es gäbe noch die Möglichkeit, das Geld einzuklagen, aber das war keine gute Lösung für die junge Frau, da würde zuviel Blut vergossen auf den Rücken des Kindes. Und natürlich gab das Jugendamt gleich an, er würde sowieso eine Gegenklage starten.

Die junge Frau fühlte sich zu Recht vom Jugendamt betrogen. Nichts konnte sie tun. Es war für sie schwer, sich mit diesem Urteil abzufinden. Und dann sollte sie beim nächsten Treffen so tun, als sei nichts geschehen?

Alleinerziehende tun alles für ihre Kinder und kümmern sich weitgehend allein um alle Kinder betreffenden Dinge.

Alleinerziehende können sich sehr gut organisieren in Familie, Arbeit und Haushalt und bekommen vieles allein geregelt.

Alleinerziehenden wird von den Vätern niemals gedankt, was sie alles tun.

Sie sind einfach die ewigen Verlierer.

Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de

Ein fettes Sorry und News

B-R-R

Oh Mann, hier war ich ja schon ewig nicht mehr. Es ist gerade so, als betrete ich ein Haus, welches ich nur noch aus der Erinnerung kenne und mich wie ein Gast fühle.

Vielen Dank an alle, die trotzdem regelmäßig hier vorbeischauen, auch wenn sich wenig bis gar nichts tut.

Mein Schreibprojekt hatte sich im November relativ schnell erledigt. Das hat mich frustriert, weil ich genau das, was ich mir vornehme und fest im Kopf verankere, auch schaffen will. Aber ich merkte, dass die Arbeit und die Kurse schnell meine ganze Zeit einnahmen. Ich sehe noch vor mir, wie ich im November kurz vor Mitternacht Rechnungswesen-Hausaufgaben machte.

Meine Geschichte wurde beim Schreibwettbewerb auch nicht genommen, was mich sehr ärgerte. Ich glaube an mein Talent und hatte fest mit der Zusage gerechnet. Aber das aushalten zu müssen, dass nicht immer alles klappt, wie man es sich vorstellt, ist natürlich auch ein tolles Training. Trotzdem, einige Tage war ich echt enttäuscht.

Aber soviel Zeit, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, hatte ich nicht. Die Arbeit,die Kurse und der Elternbeirat nahmen mich voll ein. Das hat sich natürlich bis heute nicht geändert. Ich will es auch nicht, bin glücklich, so viel zu tun zu haben, sonst wäre mein Leben langweilig.

Ich hatte mich sehr auf meinen Urlaub gefreut, war eine Woche bei meiner Familie. Einerseits war es schön, andererseits sind die Unterschiede unserer Lebensführungen dann überdeutlich und manchmal schaffen wir nicht, uns zu einigen. Meine Eltern können meine Religionswahl auch nach fast 13 Jahren nicht verstehen. Lieber werden schwierige Dinge verschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Erst am letzten Tag spielten wir alle Tabu zusammen, was so lustig und schön war.

Ich mache eine wegwerfende Handbewegung und denke: Egal, was soll’s, vielleicht wird es sich irgendwann ändern. Ich werde es jedenfalls immer hoffen. Schließlich bin ich nicht die Einzige auf der Welt, der es so geht.

Anfang Januar hatte ich es kaum erwarten können, wieder zu arbeiten. Zwei Wochen war ich allein. Meine Kollegin hatte Urlaub, genoss die Sonne im weit entfernten Süden, und ich bemühte mich, alles was anstand, so gut wie möglich zu erledigen. Hamdulillah, ich wusste immer, was zu tun war oder wenn nicht, wo ich Hilfe holen konnte, wenn etwas unklar war. Diese Woche dagegen war etwas hart. Es gab sehr sehr viel zu tun, und ich geriet mehr als einmal ins Schwitzen. Weil ich immer und immer eine Perfektionistin sein muss. Weil ich mich selbst bei kleinen Fehlern über mich ärgere. Als ob ich sonst nichts zu tun hätte. Naja, ihr kennt das sicher.  Zwei Prüfungen standen auch vor der Tür. Eine lief gut, die andere nicht. Zum einen lag es daran, dass ich den ganzen Stoff noch nicht hatte und trotzdem mitgeschrieben habe, zum Anderen hatte ich echte Probleme, mich zu konzentrieren, wenn ich arbeitstechnisch weniger zu tun hatte und das Thema absolut uninteressant war. Ihr wisst schon, was ich meine. Diesen ganzen theoretischen Quatsch, den man lernt und doch niemals braucht, weil es in der Praxis ganz anders gemacht wird. Aber psst, das bleibt natürlich unter uns ;-)

Ob ich bald wieder an einen Schreibwettbewerb teilnehme? Ich weiß es nicht, es passiert zu viel. Das Rad des Lebens dreht und dreht sich immer schneller. Wir können es nicht anhalten. Ich schaffe kaum, etwas zu lesen.

Dann hatten wir in dieser Woche eine Elternbeiratssitzung. Im Hort tut sich viel, da bin ich sehr eingespannt. Gern würde ich in der Schule mehr machen, aber es reicht auch schon, dass ich da Elternklassensprecherin bin. Ich bin da ja nicht direkt im Elternbeirat. Auf zwei Hochzeiten zu tanzen geht schlecht. Der Tag hat halt nur 24 Stunden und nicht 40.

Ab heute hat mein Projekt angefangen, mit den Hortkindern eine Hortzeitung zu erstellen und durchzuführen. Süß, sie waren so motiviert und es gibt so viele Talente, die gefördert werden müssen. Vor drei Monaten hatte ich dem Hortleiter mein Angebot unterbreitet. Er fand die Idee hervorragend und hat noch mein professionelles Konzept gelobt. Ich weiß, dass noch mehr in mir steckt und mein Potential darauf wartet, an die Oberfläche gelangen zu können.

Gabi Schoenemann / pixelio.de

Interessanterweise habe ich festgestellt, dass die Menschen mit denen ich tagtäglich oder öfter zu tun habe, nicht mein Kopftuch, sondern mich sehen. Früher hatte ich so zu kämpfen, dass ich nicht bloß darauf reduziert werde und musste beweisen, was in mir steckt. Seitdem ich die Posten in der Schule innehatte, hat sich viel geändert. Hamdulillah.

Meine Mama hat letztens gefragt, ob ich das Kopftuch auch auf Arbeit trage, weil sie merkt, dass mir die Arbeit sehr Spaß macht und ich Anerkennung bekomme und sie sich nicht vorstellen kann, dass das auch mit Kopftuch funktioniert. Aber das Stück Stoff gehört nun mal zu mir. Ganz egal, wer was sagt. Die Ausstrahlung ist ja nicht darauf begrenzt bzw. wird vom Kopftuch abgehalten. Die Ausstrahlung bezieht sich auf den ganzen Menschen.

Ich bin und bleibe eine Muslima, die ihren Weg geht und ihren Platz hier hat.