Es gibt mal wieder Leseempfehlungen von mir

B.R.R.

Eigentlich wollte ich heute eine Menge erledigen. Unter anderem endlich die Protokolle von den Elternbeiratssitzungen vom November und vor einer Woche schreiben. Hatte ich mir jedenfalls für heute ganz dick in den Kalender geschrieben. Aber darauf hatte ich gar keine Lust. Dann wollte ich einen Artikel mit schwerem Inhalt schreiben. Das habe ich auch nicht geschafft.  Stattdessen hab ich jetzt zwei Stunden mit einer ganz ganz lieben Schwester telefoniert.

Selbst zum Lesen komme ich außer in der U-Bahn nicht mehr. Und damit wären wir beim heutigen Thema. Wer mich gut kennt, weiß, dass ich immer vier, fünf, manchmal auch sechs Bücher auf einmal lese. Im Augenblick sind es nur zwei:

und

Das erste Buch hab ich mir von der Arbeit ausgeliehen. Wie der Titel schon sagt, geht es darum, den passenden Job zu finden. Der Autor behauptet felsenfest, den passenden Job gibt es. Es liest sich wunderbar und der Autor erklärt, dass man jetzt umdenken muss, Jobs sehr kurzlebig sind usw. Er zeigt Lösungen an, wie man vorgehen muss bzw. kann. Zum Beispiel sollte man genau wissen, was man gern macht und in welchem Bereich man gern arbeiten würde. Dazu muss man sich aber mit seinem Leben auseinandersetzen. So eine Kompetenzerfassung habe ich zuletzt vor vier Jahren in meiner Jobfit-Weiterbildung gemacht. Ich muss das alte Zeug mal wieder herauskramen und vollständig überarbeiten. In vier Jahren hat sich echt eine Menge verändert.

Fakt ist, ich weiß schon mal, was ich arbeiten will. Ich weiß auch, dass die Stelle, die ich gerade habe, zu 100 % perfekt ist. Leider ist das nur vorübergehend. Darum muss ich langsam anfangen, mich damit wieder auseinanderzusezten. Vor einer Woche hatte ich Bewerbungscoaching und mein Lebenslauf sei gar nicht mal so schlecht, ich müsste alles  nur besser ins Licht stellen. Bescheidenheit ist da fehl am Platz. Ich kann ja wirklich eine ganze Menge.  Das weiß ich doch. Aber jedenfalls wird es langsam Zeit, an einem Plan zu arbeiten. Ich will ja dann nicht wieder einfach nur zu Hause sitzen. Jetzt, wo Meri einen Hortplatz hat, steht mir die Welt offen – naja, so ungefähr. Und das Buch ist wirklich ein guter Begleiter dafür.

„Die Söhne Abrahams“ ist zwar nur ein Thriller, dennoch zeigt es die Wirklichkeit, in der die Menschen in Palästina und Israel leben und wer mit wem korrumpiert. Da geht es um Extremisten auf beiden Seiten, die ständig einfach so Menschenleben auslöschen. Die Welt steht kurz vor dem Weltfrieden, einer zwei-Staaten-Lösung. Plötzlich  wird ein Rabbi entführt, der natürlich nur für das Land Israel ist und der Doc der Abu-Bakr-Brigade hält dies  für völlig ausgeschlossen. Es folgen interessante Wortkriege, beide sind stur und unnachgiebig und doch stellen sie fest, dass sie vieles gemeinsam haben. Ob sie ihre Mauern in ihren Köpfen ändern können oder ob sich am Ende nichts ändert und die Aktion das Leben vieler Menschen kostet, bleibt abzuwarten. Da kann alles passieren.

Der Autor auf jeden Fall war mal ein Nahostexperte, der sich nichts sehnlicher als Ruhe für die dort lebenden Menschen wünscht. Auf beiden Seiten.

Das Buch ist auch sehr spannend, leicht zu lesen und am liebsten würde ich es erst aus den Händen legen, wenn ich auf der letzten Seite bin. Ich mag politische Thriller, in denen auf den ersten Blick alles so verworren ist.

PS: Ich habe nun die Ergebnisse meiner Prüfungen. Die, wo ich wusste, ich habe sehr gut abgeschnitten, habe ich mit 1,0 bestanden und die, wo ich zuerst dachte, die lief nicht so gut, habe ich als Beste mit 2,2 bestanden.

 

 

 

 

Wahres Glück …

B.R.R.

Karina Sandow / pixelio.de

Die kleinen Momente, auf den ersten Blick unscheinbar, sind das, was das Leben lebenswert macht.

Es kann manchmal ein Blick sein, der zwei Menschen verbindet.

Es kann ein Lächeln sein, was von Herzen kommt.

Es können nette aufmunternde Worte sein, die jemand benötigt und demjenigen, der Trost braucht, wieder Hoffnung bringen.  

Solche vermeintlich kleinen Dinge, die große Spuren hinterlassen, gibt es viele.

Für mich war das Glück heute, eine liebe Schwester zu treffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Zuletzt haben wir im vergangenen Ramadan gemeinsam unser Fasten beendet.

Die drei, vier Minuten, in denen wir miteinander gesprochen haben, haben mich wieder das Band der Geschwisterlichkeit fühlen lassen. Ich mag sie sehr gern. Ayse ist eine junge, ehrenamtlich sehr engagierte Frau, die immer dabei ist, wenn es eine Veranstaltung und etwas zum Organisieren gibt. Ayse ist 10 Jahre jünger als ich, aber ich habe viel von ihr gelernt. Vor allem, was es heißt, selbstbewusst seinen eigenen Weg zu gehen und mutig für das einzustehen, woran man glaubt.

Ich liebe diese kurzen Treffen, in denen wir ehrlich am anderen interessiert sind und uns kurz austauschen, wie es uns geht und was es Neues gibt.

Das hat mir auch gezeigt, dass ich mich mehr mit anderen Schwestern treffen sollte. Oder mit Freundinnen. Es schadet nicht, öfter das kleine Glück zu spüren.

Das Glück ist nur der Augenblick, der zu etwas Besonderem wird und an dem das Herz sich noch lange erfreut.

In diesem Sinne wünsche ich allen, dass sie viele Glücksmomente erleben und das Leben dadurch farbenprächtig und lebendig wird.

Joujou / pixelio.de

Vom Ärger der Alleinerziehenden Oder Die ewigen Verlierer

B.R.R.

Es war einmal eine junge Frau, die sich vom Vater ihres Kindes trennte, als dieses noch sehr klein war. Es dauerte Jahre, bis die Wunden bei der Frau heilten und sie sich ein normales Leben aufbauen konnte, nicht nur wegen dieser Ehe, sondern weil noch viele andere Dinge passiert waren.

Zuerst wollte die junge Frau nicht, dass der Vater sein Kind sah, zuviel war passiert. Aber sie wusste auch, dass sie sich nicht dagegen sperren konnte. Wie oft sagte das Jugendamt, ein Kind brauche sein Vater und seine Mutter?

Die Tage, an denen der Vater sein Kind sah, waren sehr nervenaufreibend für sie. Es dauerte lange, bis sie ihm insoweit vertraute, ihm das Kind überlassen zu können. Es war für sie klar, dass das sein musste, ob sie wollte oder nicht. Eigentlich wollte sie eher nicht.

Der Anfang des Umgangs bestand aus zwei Stunden. Zwei Stunden, die von einer Fachfrau begleitet wurden. Der Vater hatte sich ja nicht unbedingt als Vater hervorgetan, sondern alle Arbeit seiner geschiedenen Frau überlassen.

Irgendwann war die junge Frau soweit, den Vater einen ganzen Tag zu seinem Kind zu lassen – unbegleitet. Ihr tat der eine freie Tag sehr gut. Das Kind war schwierig, hatte Entwicklungsstörungen und brauchte besondere Betreuung. Davon hatte der Vater keine Ahnung. Ihn störte alles. Das Kind war zu dünn, konnte das nicht und dies nicht. Jedesmal hatte er etwas auszusetzen an seinem Kind. Als ob er sonst nichts zu tun hätte.

Die Zeit verging und er heiratete wieder eine Frau, mit der er nun zwei Kinder hat. Anfangs arbeitete er selbst noch. Da klappte es mit dem Zahlen des Unterhaltes noch gut. Irgendwann verkündete er der jungen Frau, er wolle nicht mehr arbeiten, habe genug in seinem Leben gearbeitet. Außerdem sei er krank und müsste sich nochmals operieren lassen. In Ordnung fand sie es natürlich nicht. Doch sie schwieg und schluckte den Kummer hinunter.

Anfangs gab es viele Schwierigkeiten mit dem Unterhalt des Vaters. Den wollte er nicht zahlen. Da bekam die junge Frau noch Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt. Es dauerte lange, bis da mal eine Routine hineinkam, und dass der Vater vor allem direkt an sein Kind bezahlte.

Er schien sich immer mehr um sein Kind zu bemühen, besonders als das erste Kind mit der neuen Frau auf der Welt war. Das schmerzte die junge Frau, denn wieviel hatte sie kämpfen müssen, dass er sich mehr mit seinem Kind beschäftigt. Genützt hat es niemals etwas.

Zwischendurch gab es Probleme zwischen dem Kind und der neuen Frau. Das Kind fühlte sich zurückgesetzt, die Frau kämpfte selbst mit sich, dass sie sich zumindest für einen Tag in zwei Wochen um das Kind ihres Mannes kümmerte, das er mit seiner ersten Frau hatte. Die junge Frau redete dem Kind immer gut zu, versuchte immer zu vermitteln, wo sie konnte. Sie wollte sich nie den Ärger anmerken lassen, der in ihr keimte. Der Kindsvater machte es ihr in dieser Hinsicht besonders schwer, aber sie wollte ihrem Kind nicht im Weg stehen, wenn es seinen Vater besuchte. Und ihm wollte sie nicht im Weg stehen, damit er sich mit seinem Kind auseinandersetzte.

Das alles ist nun schon ein paar Jahre her. Begriffen hat er nichts, nichts vom Leben, nicht, wie er mit dem Kind umzugehen hat und vor allem an seinem schlechten Benehmen und sein kleines Denken hatte sich nichts geändert. Er hatte nur vor Augen, das Kind wollte nichts lernen, nichts lesen. Da müsste er mal mehr tun, wenn ihm das so wichtig wäre. Einmal ließ er das Kind vier Stunden Computer spielen, was sollte es dabei auch lernen? Auch schaute das Kind bei ihm viel fern, es war ja damit so einfach für ihn, Zeit für sich zu haben.

Mit dem Unterhalt ging es auch weiter bergab. Die junge Frau musste für den Unterhalt, der nur ihrem Kind zugute kam, hart kämpfen. Der Vater machte es sich sehr einfach zu behaupten, er hätte kein Geld. Sein erstes Kind mit der jungen Frau war genauso sein Kind wie die anderen beiden.

Der Unterhalt wurde weit heruntergesetzt. Die junge Frau stimmte dem zu, denn sie wusste, wenn sie hier nicht ja sagte, bekäme sie nichts für ihr Kind. Das klappte einige Monate, dann bezahlte der Vater nicht mehr.

Was sollte die junge Frau tun? Sie konnte nicht einfach den Umgang verbieten, nicht aus diesen Gründen, dann wäre sie ja genauso schäbig wie er. Sie versuchte also, mit dem Kindsvater zu reden. Der jammerte nur, dass er kein Geld habe. Sie selbst hatte auch zu wenig Geld, versuchte jedoch, das Beste aus allem zu machen.

Bisher hatte die Beistandschaftsabteilung des Jugendamtes ihr nicht wirklich weitergeholfen. Hätte sie sich um alles selbst gekümmert, hätte sie mehr Erfolg gehabt, daran glaubte sie fest. Es gab so einige fähige Anwälte …

Irgendwann gingen wieder Unterhaltszahlungen auf ihr Konto ein. Viel zu niedrig. Doch ihr ging es mehr um das Prinzip, dass der Vater für das Kind zahlte, was er erübrigen konnte. Das es nicht genug war, sei mal dahingestellt.

Nach mehreren Monaten bekam die junge Frau ein Schreiben vom Jugendamt. Es seien noch 1.300 Euro Unterhalt nachzuzahlen und der Anwalt des Vaters reichte einen Antrag bei Gericht ein, dass der Vater das Geld nicht habe und diesen Betrag nicht zahlen werde. Damit war die junge Frau selbstverständlich nicht einverstanden. Sie hatte genug Rücksicht auf ihn genommen war war ihm mehr als entgegengekommen. Ihre Geduld und ihre Kraft war am Ende. So ging es jedenfalls nichts weiter. Sie antwortete dem Jugendamt, dass sie damit nicht einverstanden sei, schon genug Rücksicht auf ihn genommen habe. Zwar verstehe sie, dass es schwierig für den Vater sei und sie hoffte, dass sich für alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung ergebe. Das hoffte sie von Herzen.

Nun meldete sich das Jugendamt nach einiger Zeit wieder. Der Kindsvater brauche das Geld erstmal nicht zu bezahlen, da er es nicht habe. Toll, das war wirklich toll. Normalerweise war die junge Frau postiv eingestellt, aber in diesem Fall wusste sie genau, das hier war ein Freifahrtsschein für ihn, der Unterhaltspflicht nicht nachzukommen, abgesehen von dem geringen Betrag, den er gerade zahlte. Zwar wollte das Jugendamt ihn immer wieder anmahnen, aber da er nicht mehr arbeiten will, wenn dann vielleicht schwarz, hatte er nichts zu befürchten, dass er seine Rechnung begleichen sollte. Es gäbe noch die Möglichkeit, das Geld einzuklagen, aber das war keine gute Lösung für die junge Frau, da würde zuviel Blut vergossen auf den Rücken des Kindes. Und natürlich gab das Jugendamt gleich an, er würde sowieso eine Gegenklage starten.

Die junge Frau fühlte sich zu Recht vom Jugendamt betrogen. Nichts konnte sie tun. Es war für sie schwer, sich mit diesem Urteil abzufinden. Und dann sollte sie beim nächsten Treffen so tun, als sei nichts geschehen?

Alleinerziehende tun alles für ihre Kinder und kümmern sich weitgehend allein um alle Kinder betreffenden Dinge.

Alleinerziehende können sich sehr gut organisieren in Familie, Arbeit und Haushalt und bekommen vieles allein geregelt.

Alleinerziehenden wird von den Vätern niemals gedankt, was sie alles tun.

Sie sind einfach die ewigen Verlierer.

Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de

Ein fettes Sorry und News

B-R-R

Oh Mann, hier war ich ja schon ewig nicht mehr. Es ist gerade so, als betrete ich ein Haus, welches ich nur noch aus der Erinnerung kenne und mich wie ein Gast fühle.

Vielen Dank an alle, die trotzdem regelmäßig hier vorbeischauen, auch wenn sich wenig bis gar nichts tut.

Mein Schreibprojekt hatte sich im November relativ schnell erledigt. Das hat mich frustriert, weil ich genau das, was ich mir vornehme und fest im Kopf verankere, auch schaffen will. Aber ich merkte, dass die Arbeit und die Kurse schnell meine ganze Zeit einnahmen. Ich sehe noch vor mir, wie ich im November kurz vor Mitternacht Rechnungswesen-Hausaufgaben machte.

Meine Geschichte wurde beim Schreibwettbewerb auch nicht genommen, was mich sehr ärgerte. Ich glaube an mein Talent und hatte fest mit der Zusage gerechnet. Aber das aushalten zu müssen, dass nicht immer alles klappt, wie man es sich vorstellt, ist natürlich auch ein tolles Training. Trotzdem, einige Tage war ich echt enttäuscht.

Aber soviel Zeit, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, hatte ich nicht. Die Arbeit,die Kurse und der Elternbeirat nahmen mich voll ein. Das hat sich natürlich bis heute nicht geändert. Ich will es auch nicht, bin glücklich, so viel zu tun zu haben, sonst wäre mein Leben langweilig.

Ich hatte mich sehr auf meinen Urlaub gefreut, war eine Woche bei meiner Familie. Einerseits war es schön, andererseits sind die Unterschiede unserer Lebensführungen dann überdeutlich und manchmal schaffen wir nicht, uns zu einigen. Meine Eltern können meine Religionswahl auch nach fast 13 Jahren nicht verstehen. Lieber werden schwierige Dinge verschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Erst am letzten Tag spielten wir alle Tabu zusammen, was so lustig und schön war.

Ich mache eine wegwerfende Handbewegung und denke: Egal, was soll’s, vielleicht wird es sich irgendwann ändern. Ich werde es jedenfalls immer hoffen. Schließlich bin ich nicht die Einzige auf der Welt, der es so geht.

Anfang Januar hatte ich es kaum erwarten können, wieder zu arbeiten. Zwei Wochen war ich allein. Meine Kollegin hatte Urlaub, genoss die Sonne im weit entfernten Süden, und ich bemühte mich, alles was anstand, so gut wie möglich zu erledigen. Hamdulillah, ich wusste immer, was zu tun war oder wenn nicht, wo ich Hilfe holen konnte, wenn etwas unklar war. Diese Woche dagegen war etwas hart. Es gab sehr sehr viel zu tun, und ich geriet mehr als einmal ins Schwitzen. Weil ich immer und immer eine Perfektionistin sein muss. Weil ich mich selbst bei kleinen Fehlern über mich ärgere. Als ob ich sonst nichts zu tun hätte. Naja, ihr kennt das sicher.  Zwei Prüfungen standen auch vor der Tür. Eine lief gut, die andere nicht. Zum einen lag es daran, dass ich den ganzen Stoff noch nicht hatte und trotzdem mitgeschrieben habe, zum Anderen hatte ich echte Probleme, mich zu konzentrieren, wenn ich arbeitstechnisch weniger zu tun hatte und das Thema absolut uninteressant war. Ihr wisst schon, was ich meine. Diesen ganzen theoretischen Quatsch, den man lernt und doch niemals braucht, weil es in der Praxis ganz anders gemacht wird. Aber psst, das bleibt natürlich unter uns ;-)

Ob ich bald wieder an einen Schreibwettbewerb teilnehme? Ich weiß es nicht, es passiert zu viel. Das Rad des Lebens dreht und dreht sich immer schneller. Wir können es nicht anhalten. Ich schaffe kaum, etwas zu lesen.

Dann hatten wir in dieser Woche eine Elternbeiratssitzung. Im Hort tut sich viel, da bin ich sehr eingespannt. Gern würde ich in der Schule mehr machen, aber es reicht auch schon, dass ich da Elternklassensprecherin bin. Ich bin da ja nicht direkt im Elternbeirat. Auf zwei Hochzeiten zu tanzen geht schlecht. Der Tag hat halt nur 24 Stunden und nicht 40.

Ab heute hat mein Projekt angefangen, mit den Hortkindern eine Hortzeitung zu erstellen und durchzuführen. Süß, sie waren so motiviert und es gibt so viele Talente, die gefördert werden müssen. Vor drei Monaten hatte ich dem Hortleiter mein Angebot unterbreitet. Er fand die Idee hervorragend und hat noch mein professionelles Konzept gelobt. Ich weiß, dass noch mehr in mir steckt und mein Potential darauf wartet, an die Oberfläche gelangen zu können.

Gabi Schoenemann / pixelio.de

Interessanterweise habe ich festgestellt, dass die Menschen mit denen ich tagtäglich oder öfter zu tun habe, nicht mein Kopftuch, sondern mich sehen. Früher hatte ich so zu kämpfen, dass ich nicht bloß darauf reduziert werde und musste beweisen, was in mir steckt. Seitdem ich die Posten in der Schule innehatte, hat sich viel geändert. Hamdulillah.

Meine Mama hat letztens gefragt, ob ich das Kopftuch auch auf Arbeit trage, weil sie merkt, dass mir die Arbeit sehr Spaß macht und ich Anerkennung bekomme und sie sich nicht vorstellen kann, dass das auch mit Kopftuch funktioniert. Aber das Stück Stoff gehört nun mal zu mir. Ganz egal, wer was sagt. Die Ausstrahlung ist ja nicht darauf begrenzt bzw. wird vom Kopftuch abgehalten. Die Ausstrahlung bezieht sich auf den ganzen Menschen.

Ich bin und bleibe eine Muslima, die ihren Weg geht und ihren Platz hier hat.

Morgendliche Gedanken

B.R.R.

So schön mein ganzes Programm auch ist und ich die Energie aufbringe, alles zu schaffen – eines macht mich fertig: Ich habe nicht genug Zeit, meinen Din so auszuleben, wie ich es gern hätte. Alle moralischen und tugendhaften Handlungen und Werte haben wenig Sinn, wenn das Gebet zwischen zwei Terminen verrichtet wird, ohne dass wir uns dem so hingeben können, dass es eine richtige gottesdienstliche und somit auch für die Seele heilsame Handlung wird.

Mich interessiert sehr, wie ihr anderen Berufstätigen oder Studierenden das macht. Damals bei muslimehelfen war es einfach gewesen. Wir haben die Gebete zusammen verrichtet und islamische Themen waren immer da, weil die Arbeit darauf aufbaut.

Naja, vielleicht sollte ich mir die Zeit geben, mich daran zu gewöhnen und sonstige Schlupflöcher, z.B. das Warten an der Kasse oder in der U-Bahn anstatt zum Chillen für Tasbih und Dua verwenden und nicht soviel grübeln.

In diesem Sinne:

Euch allen einen schönen Tag und

Ich leg los

B.R.R.

In der letzten Zeit passiert täglich so viel. Ich komme kaum hinterher, das Geschehen zu reflektieren.

Ich habe große Erwartungen an mich selbst. Schon nach einer Woche bei meiner neuen Beschäftigung steht fest, dass ich in die Verwaltung eingearbeitet werden soll, da ich ruhig einige Herausforderungen ertragen kann. Seh ich im Prinzip auch so, aber ich muss zugeben, dass mir der Kopf nach zwei Kursen pro Tag schon manchmal raucht und dann noch die Einarbeitung in die neuen Aufgaben klingt nach sehr viel. Am Ende des Tages bin ich oft auch total fertig.

Im Augenblick kann ich mich aber nicht ausruhen, denn zu Hause geht es ja weiter, z.B. mit dem Schreiben. Bis jetzt liege ich mit meinem Pensum gut. Oder die Elternbeiratssitzungen – da die Horteinrichtung erst neu aufgemacht hat, gibt es anfangs öfters Treffen, da es viel zu planen und zu besprechen gibt.

Ich habe mich nicht dazu hinreißen lassen, Elternbeiratsvorsitzende zu werden, ich hab mich mit dem Stellvertreterdasein vergnügt, denn ich habe noch eine ganze Menge anderer Dinge zu tun. Ab Januar soll es inshallah im Hort eine Schreibwerkstatt geben, damit die Kinder Interesse an der Sprache entwickeln und sehen, wie viel Spaß es machen kann, etwas Eigenes zu schaffen. Am Ende des Schuljahres soll dann eine Hortzeitung entstehen, in der die Kinder Beiträge zu Feste und Ausflüge schreiben sollen, Interviews führen und fleißig fotografieren sollen. Inwieweit sich dies alles realisieren lässt, kann ich natürlich nicht sagen, aber das Projekt durchzuziehen ist mir schon sehr wichtig. Der Hortleiter war von meinem Konzept auf jeden Fall begeistert.

Ich bin gespannt, was noch alles kommt.

Wenn ich einmal loslege, dann richtig :-) .

 

Kurze Bilanz

B.R.R.

Ob ich mich gegen 77 Geschichten behaupten kann? Ich jedenfalls seh es schon vor mir, dass meine Geschichte „Lebensglück“ im Buch erscheint. Ist klar, dass nicht alle 78 eingesandten Geschichten Platz haben.

Anfangs geht es eher darum, aus einem vorgegebenen Thema etwas zu machen. Ist schon erstaunlich, wie etwas aus nichts entstehen kann. Es braucht nur ein wenig Mut, dann kann alles Mögliche geschehen. Später möchte man, dass die Geschichten es in eine Anthologie schaffen und wenn das mehrmals passiert ist, kann man die Leiter weiter in die Höhe klettern und eigene Manuskripte an Verlage senden. Auch hier gibt es so viele Stolperstellen, es gibt viele Verlage, die es mit Autoren nicht ehrlich meinen.

Meine 1666 Wörter habe ich mühelos und mit großer Motivation geschafft. Sie sind der tägliche Anteil der 50.000 Wörtern, die im November geschrieben werden müssen. Es dauert ungefähr eine Stunde, und die kann ich sicher mühelos opfern. Was habe ich früher Stunden in Facebook verschwendet, mit Spielen, Chatten, einfach so Rumhängen.

Das ist mal eine gute gute Bilanz heute.

Franz Patzal / pixelio.de

Meine neue Liebe

B.R.R.

Nein, nicht was ihr denkt …. der Titel bezieht sich auf mein Hobby, das ich gerade wirklich lebe und auch liebe: Schreiben. Nicht journalistisches Schreiben mit Cube Mag, sondern das kreative. Ich habe einige Geschichten in meiner Schublade, auch einen Roman. Wäre doch schlimm, wenn dies vergammelt.

Schreiben ist ein hartes Handwerk. Aber mein Traum war wirklich, seit ich ein Kind war, Schriftstellerin zu werden. Es liegt ein großer Reiz darin, neue Welten und Personen zu erschaffen, die mit den eigenen Erlebnissen geschmückt werden können. Sich Geschehnisse auszudenken ist eine Sache, sie so darzustellen, dass sie gern gelesen werden sollen, die zusammenhängenden Worte einen Sinn ergeben und dazu noch gut klingen, eine andere.

Vor etwa einer Stunde habe ich eine meiner Kurzgeschichten für einen Schreibwettbewerb abgeschickt. Es war bis jetzt meine zweite. Ich fühle, dass das der richtige Weg ist.

Simone Hainz / pixelio.de

Damit ich an einem Text dranbleibe, nehme ich ab morgen inshallah am „National Novel Writing Month“ – kurz NaNoWriMo – teil. Dies findet während des gesamten Monats überall auf der Welt statt. Am 30.11. muss man einen Roman von mindestens 50.000 Wörtern geschrieben haben. Ich weiß, es wird nicht einfach werden, aber ich versuche es. Täglich müsste ich acht bis neun Seiten schreiben. Es kribbelt schon in meinen Händen – das Schreiben ist tatsächlich meine neue Liebe geworden.

Wer auch beim NaNoWriMo mitmachen möchte, findet hier einige wichtige und interessante Informationen: www.nanowrimo.org

 

 

News

B.R.R.

Nun wird es Zeit, mich mal wieder zu melden. Einige haben sich sicher schon gefragt, wo ich abgeblieben bin. Bei Facebook loggte ich mich immer seltener bis gar nicht ein. Ich habe schon öfters gesagt, wenn ich regelmäßig online bin, geht es mir gut, wenn ich jedoch in der Versenkung verschwunden bin, wisst ihr, dass ich einiges an Problemen haben könnte.

Genau das war in der letzten Zeit wieder einmal der Fall. Um der Realität zu entfliehen, verstecke ich mich dann hinter Büchern und tauche in fremde Welten ab. Andere müssen rauchen oder trinken – meine Flucht ist das Lesen.

In der Schule läuft es mit Meri gut, alhamdulillah. Sie macht ihre Hausaufgaben im Hort und fast der ganze Stress, den wir das ganze letzte Schuljahr hatten, ist vorbei. In der Schule gehört sie zu den Besten, was mich sehr stolz macht.

Ich kann es nicht lassen und bin in der Schule Elternklassensprecherin. Wieder einmal. Das war auch keine Kunst, denn niemand war besonders scharf auf diesen Posten. Was mich stolz macht, ist, dass ich im Hort zur Elternbeirätin gewählt wurde, als Kopftuchträgerin. Da kam ich mir wie eine Präsidentin vor. Ich danke den Eltern für ihr Vertrauen und hoffe, sie nicht zu enttäuschen.

Seit einiger Zeit nehme ich auch an einer Maßnahme teil, die halb Schule, halb Praktikum ist. Es ist schön, wieder unter Leuten zu sein, die Fähigkeiten aufzufrischen und auch Neues zu lernen. Ich muss mich etwas zurückhalten, die Anderen mit meiner Motivation nicht zu überfahren.

Gerd Altmann / pixelio.de

Eid Mubarak 2011

B.R.R.

Ich wünsche allen Geschwistern ein wunderschönes und gesegnetes Fest des Fastenbrechens. Möge Allah swt. mit den Gläubigen zufrieden sein, unsere Ibadat – das Fasten, die Gebete usw. – annehmen und sich uns darin gnädig erweisen, dass wir unsere angefangenen guten Taten weiterführen und der Iman weiterhin stark ausgeprägt ist und noch stärker wird und uns unsere Taten leicht fallen werden. Es wird sein, wie Er es will.

Alhamdulillah, heute morgen habe ich ein herrliches Eid-Gebet erlebt zwischen vielen netten Schwestern. Da war eine riesige Freude zu spüren. Aber in mir regte sich auch Wehmut. Der Ramadan ist gegangen ohne sich umzublicken. Es ist vorbei, er hat sich nicht verabschiedet. Sondern es ist vielmehr so, als habe ich ihm den Rücken gekehrt, ihn für einen kurzen Moment nicht beachtet. Und als ich mich ihm wieder zuwenden wollte, war er weg. Damit will ich ausdrücken, einiges, was auf meinem Programm stand, habe ich geschafft, umzusetzen, aber einiges auch nicht. Und es gibt keine Möglichkeit, die nicht getanen Taten zurückzuholen. Sie sind wie zerronnener Sand. Das macht mich ehrlich betroffen.

Wenn ich den Ramadan nächstes Jahr erleben und sein Gastgeber sein darf, werde ich mir richtige Pläne erstellen und mich inshallah gut vorbereiten. Nächstes Jahr wird er wieder zehn Tage früher kommen, die Nacht wird noch kürzer sein und der Tag noch länger. (Wir erinnern uns an den Geografie-Unterrricht: Der längste Tag ist der 21. Juni und der kürzeste Tag der 21. Dezember. Was kann man im Winter alles für Ibadat machen.)

Aber alhamdulillah, ich gebe mein Bestes und nutze ihn Jahr für Jahr mehr. Der Muslim lernt nie aus, und das ist schön.

Genießt diese Tage, die Gnade und Barmherzigkeit Allahs. Besucht Freunde und die Familie und habt Spaß :-) . Und vergesst nicht, die Armen und Bedürftigen und euren näheren Geschwistern mit Dua’s und Spenden zu unterstützen.

Seid dankbar für das, was ihr habt. Auch das gehört zum Fest dazu.