Bismillahir Rahmanir Rahim
In der letzten Zeit brodelte es wieder in mir. Die Gedanken wurden inspiriert und gingen auf Reise. Verschiedene Artikel und Gespräche brachten die Anregung dazu. Selbstverständlich ging es um den Islam. Nun, um welchen eigentlich? Um den, den ich lebe – oder meine tunesische Nachbarin? Oder mein Mann? Sozusagen könnte ich jeden Menschen aufzählen, doch dazu reicht der Platz nicht aus und langweilig wäre es auch. Wer will schon eine endlose Namensliste lesen
. Was ich damit ausdrücken will, ist also klar: Der Islam ist sehr vielfältig und komplex, nicht nur in Gebetsfragen – sondern in allen.
Letzten Samstag sah ich eine Dokumentation über junge Flüchtlinge aus Palästina, die im Libanon leben. Ich fand sehr interessant, welche Themen in den Gesprächen herrschten. Oft ging es um Politik. Aber da war auch ein junger Mann, der eine junge Frau liebt und diese heiraten möchte. Er ist Muslim, sie Christin. An sich ist das nicht Haram, steht ja auch im Koran. Aber dass er diesen Plan auch tatsächlich wahr macht, ist schwer anzunehmen. Denn die Realität schaut anders aus. Die Menschen arabischer Nationalität, die in ihren Ländern leben (ich spreche jetzt nur von denen), hängen mit dem Geist oftmals im Mittelalter. Sie haben sich nicht weiterentwickelt. Ihr Islam besteht nämlich fast nur aus Verboten und Besprafungen. Die Menschlichkeit fehlt. Mein Mann musste um meine Akzeptanz seitens der Familie und Freunde auch sehr kämpfen, denn deutsch bedeutet automatisch katholisch, auch wenn ich das nie in meinem Leben war.
Wenn meine Tochter mal ein Leben führen sollte, was mir nicht gefallen könnte, da sie das Recht auf eigene Entscheidungen hat, würde ich sie mit Sicherheit nicht verstoßen. Sie bleibt doch meine Tochter. Und ich hätte dadurch auch keinen schwächeren Glauben.
Es ist immer gefährlich, einfach ein Verbot aus einer Sache zu machen, auch wenn man gar keine Ahnung davon hat. Es gibt leider viele Leute, die sich dieser Tätigkeit bedienen. Das Gefährliche ist, dass die Menschen, die sich mit dem Islam beschäftigen und kein Vorwissen besitzen, diese Dinge glauben und nachplappern. Auch ich gehörte zu diesen Leuten. Ich hatte Angst, etwas falsch zu machen. So benutzte ich mein Gehirn nicht. Der Islam besteht aber nicht nur aus Verboten, schließlich wird Allahs Barmherzigkeit Seinen Zorn besiegen. Selbst denken ist angesagt. Denn eines ist klar: Meinen Bücherbestand werde ich genau unter die Lupe nehmen müssen. Das trifft auch auf viele Vorträge zu, die man anschauen und anhören kann. Es kann eine Inspiration sein, was ein Scheikh mitzuteilen hatte, der im Mittelalter lebte, aber zur heutigen Zeit wird er wohl nicht passen. Von den selbsternannten Scheikhs spreche ich schon mal gar nicht.
Es müssen einfach gewisse Aussagen revidiert und neu geprüft werden. Denn so, wie der Islam in den islamischen Ländern gelebt wird, ist er nicht. Aber wie es die positiven Richtlinien gibt, gibt es auch negative Aussagen und Verse. Ich weiß, im Kontext betrachtet ergeben sie einen anderen Sinn als wenn sie alleinstehend betrachtet würden. Und es steht einfach alles im Zusammenhang. Und einige Verse heben andere auf; was nicht immer zum Vorteil gereicht. Aber diese bestimmten Verse sind die wichtigsten, denn wir können nicht einfach die Augen vor ihnen schließen. Sie sind der Schlüssel für einen menschlichen Islam, für den es Zeit wird und die Zeit längst gekommen ist. Mein Glauben wird durch diese Gedanken nicht weniger oder unechter, falls das jemand behaupten möchte. Wenn man sich dafür entscheidet, ein Muslim zu sein, sollte man ein Muslim mit Herz, Kopf und Verstand sein. Und das führt zu einem menschlichen Islam, keinen, der hauptsächlich Verbote und Bestrafungen enthält.